Rechner · Finanzplanung
Make-or-buy-Rechner: Selber machen oder einkaufen?
Mit dem Make-or-buy-Rechner vergleichst du die jährlichen Kosten einer eigenen Leistungserstellung mit dem Einkauf bei einem Lieferanten oder Dienstleister. Neben Stückkosten berücksichtigt das Modell zusätzliche Fixkosten, Investitionen, Transport, Prüfung und einen Risikozuschlag.
Von Klaus Schaumberger · Stand: 16. Oktober 2026

Make or Buy
Selber machen oder einkaufen vergleichen
Vergleiche Eigenfertigung und Fremdbezug einschließlich Fixkosten und Investition. Alle Eingaben bleiben in deinem Browser.
Rechenweg und Einordnung
Stand: 16. Oktober 2026. Unverbindliche Modellrechnung, keine Steuer-, Rechts- oder Sozialversicherungsberatung.
Wann lohnt sich Eigenleistung?
Eigenleistung lohnt sich rechnerisch, wenn variable Eigenkosten plus zusätzliche Fixkosten und jährlicher Investitionsanteil unter den gesamten Fremdbezugskosten liegen. Je höher die Menge, desto stärker verteilen sich fixe Kosten. Die rein rechnerische Grenze reicht aber nicht aus: Kapazität, Know-how, Qualität, Lieferfähigkeit und strategische Abhängigkeit gehören ebenfalls zur Entscheidung.
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Was bedeutet Make-or-buy?
Make-or-buy bezeichnet die Entscheidung, eine Leistung im eigenen Unternehmen zu erstellen oder extern zu beziehen. Das kann die Fertigung eines Bauteils betreffen, aber genauso Buchhaltung, Marketing, IT, Logistik, Reinigung, Montage oder Kundenservice. Gerade in kleinen Unternehmen ist die Alternative häufig nicht Maschine gegen Lieferant, sondern eigene Arbeitszeit gegen spezialisierten Dienstleister.
So arbeitet der Rechner
Für die Eigenleistung werden die variablen Kosten je Einheit mit der Jahresmenge multipliziert. Hinzu kommen zusätzliche jährliche Fixkosten und der auf die Nutzungsdauer verteilte Investitionsbetrag. Für den Fremdbezug addiert das Tool Einkaufspreis, Transport, Prüfung und Handling. Ein prozentualer Risikozuschlag kann erwartete Nacharbeit, Preisunsicherheit oder Qualitätskosten abbilden.
Das Ergebnis zeigt beide Gesamtkosten, den rechnerischen Vorteil der günstigeren Alternative und die Mengen-Schwelle. Eine positive Schwelle entsteht im Modell nur, wenn der Fremdbezug je Einheit teurer ist als die variablen Eigenkosten. Sind Eigenkosten je Einheit bereits höher und kommen positive Fixkosten hinzu, gibt es keine Menge, ab der Eigenleistung günstiger wird.
Welche Kosten gehören zur Eigenleistung?
Variable Eigenkosten
Dazu zählen Material, Energie, leistungsabhängige Löhne, Werkzeugverschleiß und andere Kosten, die mit der produzierten Menge steigen. Setzt du eigene Arbeitszeit ein, sollte diese nicht mit null Euro bewertet werden. Verwende einen realistischen internen Vollkostensatz oder zumindest den entgangenen Deckungsbeitrag, wenn du dafür andere Aufträge ablehnen musst.
Zusätzliche Fixkosten
Relevant sind nur Kosten, die durch die Make-Entscheidung entstehen oder dauerhaft gebunden werden. Beispiele sind zusätzliche Beschäftigte, Raumkosten, Wartungsverträge, Qualitätsmanagement oder Software. Bereits vorhandene Kosten dürfen nicht automatisch vollständig zugerechnet werden, wenn sie unabhängig von der Entscheidung weiterlaufen.
Investitionen
Maschinen, Fahrzeuge, Einrichtung oder technische Systeme werden im Rechner vereinfacht gleichmäßig auf ihre Nutzungsjahre verteilt. Für eine detaillierte Investitionsrechnung sollten zusätzlich Finanzierung, Restwert, Wartung, steuerliche Abschreibung und Kapitalkosten betrachtet werden.
Welche Kosten gehören zum Fremdbezug?
Der Angebotspreis des Lieferanten ist nur der Anfang. Hinzu kommen Fracht, Zoll, Verpackung, Wareneingangsprüfung, Koordination, Vertragsmanagement und gegebenenfalls Lagerhaltung. Auch Mindestbestellmengen oder lange Vorlaufzeiten können Kapital binden.
Ein Risikozuschlag hilft, schwer planbare Kosten sichtbar zu machen. Dazu gehören Ausschuss, Nacharbeit, Reklamationen, Lieferverzug oder kurzfristige Preissteigerungen. Der Zuschlag sollte nicht aus dem Bauch heraus gewählt werden. Nutze nach Möglichkeit historische Reklamations- und Ausfalldaten.
Rechenbeispiel (fiktiv)
Ein Unternehmen benötigt 5.000 Einheiten pro Jahr. Die Eigenleistung kostet variabel acht Euro je Einheit. Zusätzliche Fixkosten betragen 18.000 Euro. Eine Investition von 40.000 Euro wird über fünf Jahre verteilt, also mit 8.000 Euro jährlich berücksichtigt. Insgesamt kostet die Eigenleistung 66.000 Euro pro Jahr.
Der Lieferant verlangt 13 Euro je Stück. Transport und Prüfung kosten zusätzlich einen Euro. Mit drei Prozent Risikozuschlag liegt der effektive Fremdpreis bei 14,42 Euro und die Jahresbelastung bei 72.100 Euro. Im Modell spart die Eigenleistung 6.100 Euro. Die Entscheidung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die benötigte Kapazität stabil ausgelastet und die Qualität beherrscht wird.
Strategische Faktoren jenseits der Kosten
Know-how und Differenzierung
Leistungen, die dein Angebot einzigartig machen oder sensibles Wissen enthalten, solltest du nicht ausschließlich nach dem billigsten Preis vergeben. Eigenleistung kann Kernkompetenz schützen. Standardisierte Nebenprozesse lassen sich dagegen häufig gut auslagern.
Flexibilität
Fremdbezug macht variable Mengen leichter skalierbar. Eigenleistung kann bei stabiler Nachfrage günstiger sein, erzeugt aber fixe Kapazität. In unsicheren Märkten kann ein scheinbar teurer Lieferant wirtschaftlich wertvoll sein, weil du keine ungenutzte Maschine oder Personalreserve finanzieren musst.
Liefer- und Abhängigkeitsrisiko
Ein externer Partner kann ausfallen, Preise erhöhen oder Prioritäten ändern. Umgekehrt kann eine eigene Produktion an Personalengpässen, Krankheit oder technischem Ausfall leiden. Bewerte nicht nur die Wahrscheinlichkeit, sondern auch die Auswirkung und mögliche Alternativen.
Umsatzsteuer in der Kalkulation: Verwende Kosten ohne abziehbare Vorsteuer. Nicht abziehbare Umsatzsteuer gehört dagegen zu den Kosten; das kann insbesondere bei steuerfreien Umsätzen relevant sein. Die Voraussetzungen regelt § 15 UStG. Steuerzahlungen und Erstattungen müssen zusätzlich zeitlich in die Liquiditätsplanung eingehen.
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Typische Fehler beim Make-or-buy-Vergleich
- Eigene Arbeitszeit mit null Euro ansetzen.
- Beim Fremdbezug nur den Angebotspreis betrachten.
- Vorhandene Fixkosten fälschlich als vollständig vermeidbar behandeln.
- Investitionen ohne Finanzierung und Auslastungsrisiko rechnen.
- Qualitäts-, Liefer- und Know-how-Risiken ignorieren.
- Mit unrealistischen Jahresmengen planen.
- Keine Mischform oder zweite Lieferquelle prüfen.
So triffst du die Entscheidung in fünf Schritten
Erstens definierst du die Leistung und Qualitätsanforderung exakt. Ein Fremdangebot ist nur vergleichbar, wenn Menge, Termine, Ausschuss, Dokumentation und Service dem internen Ergebnis entsprechen. Zweitens trennst du relevante von ohnehin bestehenden Kosten. Eine Hallenmiete verschwindet nicht automatisch, nur weil ein Arbeitsschritt ausgelagert wird.
Drittens rechnest du mehrere Mengen. Besonders bei jungen Unternehmen ist die geplante Vollauslastung selten sofort vorhanden. Viertens bewertest du Risiken mit konkreten Szenarien: Was kostet ein Lieferausfall, wie schnell steht eine Ersatzquelle bereit und welcher Schaden entsteht durch Qualitätsprobleme? Fünftens hältst du die Entscheidung und ihre Annahmen schriftlich fest. So kannst du später prüfen, ob Preise, Mengen und Qualität tatsächlich eingetreten sind.
Kapazitätskosten nicht doppelt rechnen
Wenn vorhandene Mitarbeiter die Leistung innerhalb freier Kapazität übernehmen, entstehen kurzfristig möglicherweise keine zusätzlichen Personalauszahlungen. Für eine langfristige Entscheidung solltest du ihre Zeit trotzdem bewerten, denn die freie Kapazität kann künftig für andere Aufträge benötigt werden. Umgekehrt darfst du beim Outsourcing nicht behaupten, sämtliche Personalkosten würden entfallen, wenn Mitarbeiter weiterhin beschäftigt werden.
Unterscheide deshalb zwischen kurzfristiger Entscheidungsrechnung und langfristiger Strukturentscheidung. Kurzfristig zählen vermeidbare zusätzliche Auszahlungen. Langfristig geht es darum, welche Kostenstruktur und Kompetenz das Unternehmen dauerhaft aufbauen will.
Mischmodelle können die beste Lösung sein
Die Entscheidung muss nicht vollständig Make oder Buy lauten. Du kannst eine Grundmenge selbst erbringen und Spitzen extern vergeben. Alternativ bleibt Kernwissen intern, während standardisierte Teilschritte ausgelagert werden. Ein zweiter Lieferant reduziert Abhängigkeit, kostet aber möglicherweise Mengenrabatte. Der Rechner eignet sich gut, um mehrere Varianten nacheinander zu vergleichen.
Einordnung für deine Entscheidung
Gründer überschätzen häufig den Preisvorteil der Eigenleistung, weil sie ihre Zeit, Führung und gebundene Liquidität unterschätzen. Gleichzeitig darf Outsourcing nicht nur als Kostenposition betrachtet werden: Ein guter Partner kann Geschwindigkeit, Qualität und Wachstum ermöglichen. Für die Planung solltest du Kernleistungen, die den Kundennutzen prägen, besonders kritisch prüfen und unterstützende Standardaufgaben eher auf ihre Auslagerungsfähigkeit untersuchen.
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Häufige Fragen: Make or Buy
Nein. Qualität, Lieferfähigkeit, Flexibilität, Abhängigkeit und strategisches Know-how können wichtiger sein als ein kleiner Kostenvorteil. Halte deshalb neben der Kostendifferenz auch Qualitätsanforderungen und verfügbare Ersatzlieferanten schriftlich fest.
Nutze einen internen Vollkostensatz. Wenn du ausgelastet bist, kann der entgangene Deckungsbeitrag anderer Aufträge die bessere Entscheidungsgröße sein. Fixkostenanteile und entgangener Deckungsbeitrag dürfen nicht wahllos addiert werden; entscheide dich für eine konsistente Betrachtung.
Das ist die Menge, bei der beide Alternativen rechnerisch gleich viel kosten. Darunter wirkt der Fremdbezug, darüber die Eigenleistung häufig günstiger. Das gilt nur bei niedrigeren variablen Eigenkosten; andernfalls entsteht trotz wachsender Menge kein positiver Mengen-Break-even.
Rechne mindestens ein niedriges, mittleres und hohes Mengenszenario. Prüfe außerdem eine Kombination aus eigener Grundkapazität und externen Spitzen. Die eingegebene Jahresmenge muss in allen Varianten dieselbe Leistung und Qualität repräsentieren.
Nein. Der Rechner vergleicht operative Nettokosten. Abschreibung, Finanzierung und steuerliche Wirkung können in einer vertieften Investitionsrechnung ergänzt werden. Der im Modell enthaltene jährliche Investitionsanteil ist eine Kostenverteilung und keine individuelle steuerliche AfA-Berechnung.
Ja. Die Einheit kann eine Stunde, Buchung, Abrechnung, Kampagne oder jeder andere messbare Leistungsfall sein. Prüfe dabei besonders, ob der Lieferantenpreis tatsächlich denselben Leistungsumfang und dieselben Reaktionszeiten enthält.
Beim Outsourcing können Datenschutz, Auftragsverarbeitung, Zugriffsrechte und technische Schutzmaßnahmen relevant sein. Welche Vereinbarungen erforderlich sind, hängt von der tatsächlichen Datenverarbeitung und den Rollen der Beteiligten ab.
Bei deutlichen Mengen-, Preis-, Qualitäts- oder Kapazitätsänderungen sowie spätestens im jährlichen Planungsprozess. Für die Kapitalbindung durch Vorräte und Zahlungsziele ergänzt der Working-Capital-Rechner den Kostenvergleich.
Der Rechner verteilt die Anfangsinvestition gleichmäßig auf die eingegebene Nutzungsdauer. Die tatsächliche Anschaffungsauszahlung fällt dagegen oft zu Beginn an; Zinsen und Restwert fehlen im Modell. Prüfe den Finanzierungsbedarf zusätzlich mit dem Kapitalbedarfsrechner.
Sind die variablen Eigenkosten mindestens so hoch wie der effektive Fremdpreis und kommen zusätzliche Fixkosten hinzu, macht mehr Menge die Eigenleistung nicht günstiger. Dann gibt es in diesem Kostenmodell keinen positiven Break-even zugunsten der Eigenleistung. Strategische Gründe können trotzdem für interne Leistung sprechen, sollten aber ausdrücklich bewertet werden.

