Gründen als · Berufsleitfaden
Unternehmensnachfolge: Kaufpreis und Finanzierung prüfen
Wer ein Unternehmen übernimmt, muss Geschäftsmodell, Verträge, Mitarbeiter und Finanzierung gemeinsam prüfen. Dieser Leitfaden zeigt, wie du Ergebnisse bereinigst, den gesamten Kapitalbedarf ermittelst und den Kapitaldienst prüfst. Die Zahlen sind ausdrücklich Modellannahmen für eine Übernahme und keine Marktpreise oder Ertragszusage.
Von Klaus Schaumberger · Stand: 7. Oktober 2026

Das Wichtigste auf einen Blick
| Punkt | Einordnung |
|---|---|
| Vorhaben | Betrieb oder Unternehmensanteile übernehmen |
| Modellkapitalbedarf A | 120.000 Euro |
| Modellkapitalbedarf B | 400.000 Euro |
| Rechengröße | Monatlicher operativer Cashflow nach Unternehmerlohn |
| Cashflow im Basisszenario | 9.000 Euro vor Übernahmekapitaldienst |
| Größtes Risiko | Unbereinigte Ergebnisse und Investitionsstau im Kaufpreis übersehen |
Was bei dieser Gründung wirtschaftlich entscheidet
Das Modell setzt 9.000 Euro monatlich verfügbaren operativen Cashflow nach betrieblichen Auszahlungen und kalkulatorischem Unternehmerlohn an. Davon gehen beispielhaft 4.300 Euro für Zinsen und Tilgung der Übernahmefinanzierung ab. Es bleiben 4.700 Euro vor noch nicht berücksichtigten Steuern, Ersatzinvestitionen und weiteren Reserven. Die 9.000 Euro sind ausdrücklich kein Umsatz. Der Ausgangswert muss aus den Unterlagen des Zielbetriebs hergeleitet und um Einmaleffekte bereinigt werden; weitere Abzüge werden in der anschließenden Liquiditätsplanung einzeln berücksichtigt.
Entscheidend ist die nachhaltige Schuldendienstfähigkeit. Leite zunächst aus den Geschäftszahlen einen um Einmaleffekte bereinigten operativen Zahlungsmittelüberschuss ab. Die hier angenommenen 9.000 Euro berücksichtigen gewöhnliche betriebliche Auszahlungen und einen kalkulatorischen Unternehmerlohn bereits; sie liegen vor dem Übernahmekapitaldienst. Nach 4.300 Euro Kapitaldienst bleiben im Modell 4.700 Euro. Davon sind noch nicht erfasste Steuern, notwendige Ersatzinvestitionen, zusätzliche Mittelbindung und weitere Reserven abzudecken. Der Unternehmerlohn darf nicht doppelt abgezogen werden. Rechtsform und Kaufstruktur beeinflussen Steuern und Auszahlungen.
Voraussetzungen und persönliche Eignung
Das Geschäftsmodell passt zu Menschen, die Fachleistung und kaufmännische Routine verbinden. Im Alltag zählen Termintreue, schriftliche Absprachen, Nachkalkulation und die Bereitschaft, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen. Wer nur die eigentliche Leistung mag, aber Angebote, Verkauf, Reklamationen und Zahlen dauerhaft vermeiden möchte, sollte vor dem Vollerwerb einen kleinen Praxistest durchführen.
- Fachliche Qualifikation und belastbare Arbeitsergebnisse
- Realistische Einschätzung von Tempo und Kapazität
- Klare Kommunikation mit Kunden und Partnern
- Grundverständnis für Preis, Deckungsbeitrag und Liquidität
- Bereitschaft zu Akquise, Dokumentation und laufender Nachkalkulation
Kann dein Gründungscoaching gefördert werden?
Du planst deine Selbstständigkeit und bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht? Wir prüfen mit dir, ob ein AVGS-gefördertes Gründungscoaching zu deiner Situation passt.
Erlaubnisse, Anmeldung und fachliche Grenzen
Eine Unternehmensnachfolge ist kein einheitlicher Beruf. Bei Unternehmenskauf, Anteilserwerb oder schrittweiser Übergabe unterscheiden sich Haftung, Verträge, Steuern, Genehmigungen und Beschäftigungsverhältnisse. Vor einer bindenden Vereinbarung rechtliche und steuerliche Beratung sowie eine wirtschaftliche Due Diligence einplanen. Prüfe insbesondere Altverbindlichkeiten, Übertragbarkeit wichtiger Verträge, branchenspezifische Zulassungen und Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber. Ein bestehender Betrieb garantiert weder die Fortführung aller Genehmigungen noch künftige Erträge.
Die steuerliche Erfassung ist unabhängig von der Berufsbezeichnung zu klären. Bei gewerblicher Tätigkeit kommt die Gewerbeanmeldung hinzu. Prüfe außerdem Berufsgenossenschaft, Datenschutz, Versicherungen und bei betrieblichen Räumen die zulässige Nutzung. Maßgeblich ist die tatsächlich angebotene Leistung; eine werbliche Bezeichnung ersetzt die rechtliche Einordnung nicht.
Leistungen und Geschäftsmodelle
Kläre zuerst, ob Vermögensgegenstände, Gesellschaftsanteile oder eine Beteiligung mit späterer Vollübernahme erworben werden. Management-Buy-in und Management-Buy-out beschreiben die Herkunft der Käufer; sie sind keine Umsatzarten. Für jede Variante sind Kaufgegenstand, Verantwortung und Übergabezeitpunkt konkret festzuhalten.
- Vollständiger Unternehmenskauf
- Anteilserwerb
- Management-Buy-in
- Management-Buy-out
- Stufenweise Übergabe mit Einarbeitungsphase
Markt und erreichbare Nachfrage prüfen
Für die Auswahl eines Zielbetriebs zählen bereinigte Ergebnisse, Kundenkonzentration, Inhaberabhängigkeit, Investitionsstau, Personal und Vertragslaufzeiten. Lass mindestens mehrere abgeschlossene Geschäftsjahre und aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen nachvollziehbar erklären. Umsatz allein begründet keinen Kaufpreis. Prüfe, welche Erträge nach dem Ausscheiden des Verkäufers und nach einem angemessenen Unternehmerlohn tatsächlich fortbestehen.
| Prüfgröße | Konkrete Erhebung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Kundenbestand | Umsatz nach Kunden, Vertragsdauer und Kündigungsrechten | Wie abhängig ist der Betrieb von einzelnen Kunden? |
| Marktposition | Wettbewerber, Angebotsvergleich und regionale Nachfrage | Ist die Marktposition nach der Übergabe belastbar? |
| Kaufpreis | Bereinigte Erträge, Investitionsbedarf und belastbare Vergleichstransaktionen | Ist der geforderte Kaufpreis finanzierbar und plausibel? |
| Kapazität | Personal, Schlüsselpersonen, Anlagenzustand und Auftragsbestand | Welche Ersatzinvestitionen und personellen Übergaben sind nötig? |
| Partner | Lieferantenverträge, Vermieter und Finanzierungspartner | Welche Beziehungen und Verträge lassen sich fortführen? |
Die Kundenplanung baut auf dem Zielbetrieb auf. Prüfe Umsätze und Deckungsbeiträge nach Kunde und Leistung, Vertragslaufzeiten, Kündigungsrechte und die Bindung an den bisherigen Inhaber. Rechne den Wegfall eines wichtigen Kunden durch. Bestehende Umsätze dürfen erst übernommen werden, wenn ihre Fortführung plausibel ist.
Cashflow und Kapitaldienst im Modell
| Szenario | Operativer Cashflow nach Unternehmerlohn | Übernahmekapitaldienst | Rechnerischer Rest |
|---|---|---|---|
| Belastung: 20 % weniger Cashflow | 7.200 Euro | 4.300 Euro | 2.900 Euro |
| Basisszenario | 9.000 Euro | 4.300 Euro | 4.700 Euro |
| Zusätzlicher Kapitaldienst | 9.000 Euro | 5.500 Euro | 3.500 Euro |
Die Modellrechnung verwendet monatliche Zahlungsgrößen. Der operative Cashflow ist nach gewöhnlichen betrieblichen Auszahlungen und kalkulatorischem Unternehmerlohn, aber vor dem hier ausgewiesenen Übernahmekapitaldienst angesetzt. Noch nicht enthaltene Steuern, Ersatzinvestitionen und zusätzliche Mittelbindung sind gesondert abzuziehen. Zins und Tilgung folgen dem tatsächlichen Kreditangebot. Die Werte ersetzen weder Unternehmensbewertung noch Liquiditätsplanung.
Vor einer Übernahme sind Bewertung, Due Diligence, Finanzierung, Übergabe und persönliche Eignung zu prüfen. Analysiere den Zielbetrieb anhand nachvollziehbarer Geschäftszahlen und dokumentiere die Übergabe der Aufgaben und Kundenbeziehungen. Kaufe erst, wenn Kaufpreis, Kapitaldienst, Investitionsbedarf und verfügbare Liquidität gemeinsam tragfähig erscheinen.

Kaufpreis und gesamter Kapitalbedarf
| Kapitalbedarfsblock – Modellannahme | Übernahme A | Übernahme B |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 80.000 Euro | 290.000 Euro |
| Prüfung und Transaktionskosten | 10.000 Euro | 25.000 Euro |
| Sofortige Ersatzinvestitionen | 10.000 Euro | 35.000 Euro |
| Betriebsmittel und Reserve | 20.000 Euro | 50.000 Euro |
| Summe | 120.000 Euro | 400.000 Euro |
Die beiden Modellbudgets von 120.000 und 400.000 Euro stehen für unterschiedliche Übernahmen, nicht für einen allgemeinen Mindestpreis oder einen späteren Ausbau. Zum Kaufpreis kommen Prüfung und Transaktion, unmittelbar notwendige Investitionen sowie Betriebsmittel und Reserve. Vor einer Zusage sind alle Beträge durch Unterlagen und Angebote zu belegen. Die Kaufpreisstruktur und ihre steuerliche Behandlung müssen individuell geprüft werden.
Verbleibende Liquidität nach der Übernahmefinanzierung
| Position im Basisszenario | Monatsbetrag | Einordnung |
|---|---|---|
| Operativer Cashflow nach Unternehmerlohn | 9.000 Euro | Aus Betriebsunterlagen zu belegen |
| Zins und Tilgung Übernahmefinanzierung | −4.300 Euro | Durch Kreditangebot zu belegen |
| Rechnerischer Rest | 4.700 Euro | Vor weiteren Steuern, Investitionen und Reserven |
Der rechnerische Rest nach Kapitaldienst ist weder Gewinn noch frei verfügbares Privatgeld. Ein angemessener Unternehmerlohn wurde im operativen Cashflow bereits berücksichtigt und darf nicht nochmals als zusätzliche Entnahme angesetzt werden. Steuerzahlungen, Ersatzinvestitionen und weitere Reserven sind noch zu prüfen. Zinsen können Aufwand sein; Tilgungen verringern Liquidität, sind aber keine Betriebsausgabe.
Kundengewinnung ohne beliebige Werbung
Marketing beginnt mit einem überprüfbaren Angebot: für wen, welches Problem, welches Ergebnis, in welchem Gebiet und zu welchem Preisrahmen. Danach werden wenige Kanäle konsequent genutzt. Entscheidend ist nicht Reichweite, sondern wie viele qualifizierte Anfragen zu bezahlten Aufträgen werden und wie viele Kunden wiederkommen oder empfehlen.
- Passende Angebotsseiten und Empfehlungen; ein Google-Unternehmensprofil nur bei erfüllten Teilnahmevoraussetzungen
- Aussagekräftige Referenzen mit Einwilligung
- Kooperationen mit passenden Multiplikatoren
- Klare Angebotsseite mit Preislogik und Ausschlüssen
- Monatliche Messung von Anfragequelle, Abschlussquote, Auftragswert und Wiederkehr
Wenn du einen Betrieb übernehmen möchtest, prüfen wir mit dir Geschäftsmodell, bereinigte Zahlen, Kapitalbedarf und Finanzierung, bevor du dich an einen Kauf bindest.
Businessplan und Finanzierung
Der Übernahme-Businessplan erläutert, warum der Betrieb auch unter neuer Führung tragfähig bleibt. Er verbindet historische Zahlen mit einem Übergabeszenario, Kunden- und Personalbindung, Investitionen und monatlicher Liquidität. Für eine Finanzierung kommt unter Voraussetzungen der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW infrage: Gefördert werden auch Unternehmenskäufe und Beteiligungen; aktuell sind bis zu 200.000 Euro Kredit möglich. Den Antrag vor Beginn des Vorhabens beim Finanzierungspartner stellen. Für größere Vorhaben sind passende weitere Förderkredite und gegebenenfalls Bürgschaften individuell zu prüfen. Ein Förderkredit bleibt rückzahlbar und ist keine Förderzusage.
- Qualifikation, Zulassungen und Leistungsgrenzen
- Zielgruppe, Einzugsgebiet und Wettbewerber
- Bereinigtes Ergebnis, Unternehmerlohn, Investitionsbedarf und Kapitaldienst
- Investitionen mit Angeboten und Finanzierungsnachweis
- Monatlicher Umsatzaufbau für mindestens zwölf Monate
- Private Kosten, Steuern, Sozialversicherung und Liquiditätsreserve
- Risiken sowie messbare Gegenmaßnahmen
Arbeite deine Annahmen im Businessplan für die Förderung aus. Prüfe deine Zahlen mit dem Stundensatzrechner und dem Break-even-Rechner.
Vertiefe die Kalkulation: Liquiditätsrechner – monatliche Zahlungslücken erkennen; Arbeitgeberkosten-Rechner – Löhne einschließlich Arbeitgeberkosten planen.
Die Zahlen, die nicht schöngerechnet werden dürfen
Prüfe drei Größen besonders genau: den nachhaltig verfügbaren operativen Cashflow, den vertraglichen Kapitaldienst und den zusätzlichen Mittelbedarf. Im Basisszenario stehen 9.000 Euro Cashflow einem Kapitaldienst von 4.300 Euro gegenüber. Sinkt der Cashflow um 20 Prozent auf 7.200 Euro, bleiben nur 2.900 Euro vor den noch nicht berücksichtigten Positionen. Der Kaufpreis muss auch unter einer solchen Belastung finanzierbar sein.
Rechne einen Wegfall des größten Kunden, eine verzögerte Übergabe und ungeplante Ersatzinvestitionen durch. Die daraus entstehenden Finanzierungslücken müssen vor Vertragsbindung sichtbar sein. Vereinbarte Kreditlinien oder verfügbare Eigenmittel zählen nur, wenn sie tatsächlich zugesagt beziehungsweise vorhanden sind.
Bestehende Erlöse und Abhängigkeiten prüfen
Lege für den Zielbetrieb Umsätze und Deckungsbeiträge nach Produkt, Leistung und Kunde offen. Unternehmenskauf, Anteilserwerb oder Management-Buy-out sind Übernahmeformen und keine zusätzlichen Umsatzquellen. Prüfe je Erlösquelle, welche Verträge bestehen, wie lange sie laufen und ob der bisherige Inhaber persönlich für die Kundenbindung entscheidend ist.
Ein Kundenmix lässt sich erst nach Einsicht in die betrieblichen Unterlagen bewerten. Berechne den Umsatz- und Deckungsbeitragsanteil der wichtigsten Kunden und simuliere mindestens einen Ausfall. Teile den operativen Cashflow von 9.000 Euro nicht pauschal in Umsatzsegmente auf: Umsatz, Ergebnis und Cashflow sind unterschiedliche Größen.
Unternehmensnachfolge: Trägt deine Kalkulation?
Wenn du einen Betrieb übernehmen möchtest, prüfen wir mit dir Geschäftsmodell, bereinigte Zahlen, Kapitalbedarf und Finanzierung, bevor du dich an einen Kauf bindest.
Führung und Übergabe zeitlich planen
Plane die ersten Monate nach Funktionen: Verkauf, operative Leistung, Personalführung, Finanzen und Übergabe durch den Verkäufer. Prüfe, welche Aufgaben bisher nur der Inhaber erledigt und wie viel Einarbeitung dafür nötig ist. Die Nachfolge lässt sich nicht als eine verkaufte Einheit pro Monat kalkulieren.
Der Übergabeplan braucht Verantwortliche, Fristen und dokumentierte Zugänge. Priorität haben Zahlungsfähigkeit, Kundenkontakte, Personal, laufende Aufträge und die Übernahme notwendiger Verträge. Halte fest, wie lange der Verkäufer mitarbeitet und wie diese Leistung vergütet wird.
Zahlungsfluss und Liquidität in der Praxis
Kaufpreiszahlung, Transaktionskosten und laufende Betriebsausgaben können lange vor zusätzlichen Einnahmen anfallen. Lege Zahlungstermine, Kreditabruf, Eigenmitteleinsatz, Warenbestand, offene Forderungen und Verbindlichkeiten nebeneinander. Eine Reserve muss nach der Kaufpreiszahlung tatsächlich verfügbar bleiben; sie darf nicht nur als Position im Finanzierungsplan stehen.
Erfasse monatlich Anfangsbestand, erwartete Einzahlungen, Umsatzsteuer soweit anfallend, Investitionen, laufende Auszahlungen, Privatentnahmen und Kreditraten. Reserve ist verfügbares Geld und kein bereits verbrauchter Aufwand. Trenne Tilgung von Zinsen und plane Zahlungszeitpunkte sowie Steuerrücklagen anhand der tatsächlichen Situation statt mit einer pauschalen Steuerquote.
Wann Wachstum sinnvoll ist und wann nicht
Eine größere Übernahme mit 400.000 Euro Modellkapitalbedarf ist nicht automatisch der nächste Wachstumsschritt. Entscheidend sind der zusätzliche nachhaltige Cashflow, der Kapitaldienst und die eigene Führungskapazität. Investitionsstau und Inhaberabhängigkeit können einen günstigen Kaufpreis schnell relativieren.
Erweiterungen nach der Übernahme sollten erst geplant werden, wenn die vorhandenen Abläufe und die tatsächliche Liquidität belastbar sind. Prüfe, ob zusätzliche Investitionen einen nachweisbaren Engpass lösen, wer die Umsetzung führt und wie viel Reserve nach der Finanzierung bleibt.
Kennzahlen für die ersten zwölf Monate
| Zeitraum | Prüfschwerpunkt | Nachweis |
|---|---|---|
| Monat 1 bis 3 | Übergabe und Zahlungsfähigkeit | Wöchentlicher Liquiditätsstatus |
| Monat 4 bis 6 | Kunden- und Personalbindung | Vergleich mit dem Übernahmeplan |
| Monat 7 bis 9 | Investitionen und Ertragskraft | Bereinigte Ist-Zahlen |
| Monat 10 bis 12 | Kapitaldienstfähigkeit | Jahresplanung einschließlich Belastungsszenario |
Gründung aus Arbeitslosigkeit
Ein AVGS kann ein zugelassenes Gründungscoaching finanzieren, wenn Agentur für Arbeit oder Jobcenter den Gutschein vor Beginn bewilligen. Das Coaching kann Geschäftsmodell, Markt, Kalkulation, Businessplan und Finanzierung abdecken; es bezahlt keine Investitionen. Für den Gründungszuschuss müssen bei Aufnahme der hauptberuflichen Selbstständigkeit grundsätzlich noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Eine fachkundige Stellungnahme und ein tragfähiger Businessplan gehören regelmäßig zu den Unterlagen. Die Förderung ist eine Ermessensleistung. Bei Leistungen nach SGB II kommen außerdem Einstiegsgeld und unter Voraussetzungen Darlehen oder Zuschüsse für notwendige Sachgüter infrage. Diese Möglichkeiten vor Aufnahme beziehungsweise Beschaffung mit dem Jobcenter klären; eine Bewilligung ist nicht zugesichert.
Je nach Ausgangslage helfen die Leitfäden zu Gründungszuschuss, Einstiegsgeld, AVGS-Coaching und fachkundiger Stellungnahme. Für betriebliche Investitionen kann je nach Voraussetzungen ein Mikrokredit infrage kommen; ein Kredit ist zurückzuzahlen.
Häufige Fehler
- Kaufpreis aus Umsatz oder Verkäuferwunsch ableiten, ohne Ergebnisbereinigung und Kapitaldienst
- Bundesweite Marktzahlen mit dem eigenen erreichbaren Markt verwechseln
- Alle Arbeitsstunden als abrechenbar einplanen
- Private Kosten und Steuerreserve nicht vollständig berücksichtigen
- Große Räume, Personal oder Technik zu früh finanzieren
- Leistungen ohne klare Ausschlüsse und Nachträge anbieten
- Marketing an Reichweite statt an qualifizierten Aufträgen messen
Ein realistischer 90-Tage-Plan
Tag 1–30
Angebot und Voraussetzungen
- Suchprofil und eigene Eignung definieren
- Vertraulichkeit und Dokumentenzugang klären
- Zielbetriebe anhand erster Zahlen vorprüfen
Ergebnis: Ein Suchprofil und eine begründete Auswahl prüfbarer Zielbetriebe.
Tag 31–60
Kalkulation und Finanzierung
- Rechtliche und steuerliche Due Diligence beauftragen
- Ergebnisse, Unternehmerlohn und Investitionsbedarf bereinigen
- Finanzierungspartner vor bindenden Verpflichtungen ansprechen
Ergebnis: Eine dokumentierte Due Diligence, bereinigte Zahlen und konkrete Finanzierungsgespräche.
Tag 61–90
Abläufe prüfen und Start vorbereiten
- Kapitaldienst im Basisszenario und Stressfall rechnen
- Übergabe, Personal und Kundenbindung planen
- Dokumentierte Kaufentscheidung mit Bedingungen treffen
Ergebnis: Eine nachvollziehbare Kaufentscheidung mit tragbarem Kapitaldienst und Übergabeplan.
Fazit
Eine Unternehmensnachfolge kann einen Einstieg in einen bestehenden Betrieb ermöglichen. Voraussetzung sind eine nachvollziehbare Prüfung, ein tragfähiger Kaufpreis und ausreichend Liquidität nach der Übernahme. Entscheidend ist, ob das Unternehmen unter neuer Führung Kunden, Mitarbeiter und Ertragskraft halten kann und der Kapitaldienst auch bei Belastungen finanzierbar bleibt.
Dein nächster sinnvoller Schritt: Lass vor größeren Ausgaben prüfen, wie viele Kunden oder Aufträge du wirklich brauchst und ob dein erreichbarer Markt diese Menge tragen kann.
Deine Gründung konkret planen
Wir besprechen Geschäftsmodell, Kapitalbedarf und passende Fördermöglichkeiten für deine persönliche Ausgangslage.
Weitere Orientierung: Alle Gründungsberufe und Gründen als Unternehmensberater.
Quellen und Einordnung
Stand: 7. Oktober 2026. Preis-, Kosten-, Kapazitäts- und Umsatzbeispiele sind Planungsannahmen, keine amtlichen Durchschnittswerte oder Erfolgszusagen. Rechtliche Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten sind vor dem Start für den konkreten Betrieb zu klären.
Häufige Fragen: Unternehmensnachfolge
Das Beispiel arbeitet mit 120.000 beziehungsweise 400.000 Euro Gesamtbedarf für zwei unterschiedliche Übernahmen. Das sind keine typischen Kaufpreise. Maßgeblich sind Kaufpreis, Transaktionskosten, notwendige Investitionen und verfügbare Reserve. Vertiefe die Zahlen im Businessplan für die Förderung.
Im Basisszenario bleiben von 9.000 Euro operativem Cashflow nach Unternehmerlohn und 4.300 Euro Kapitaldienst rechnerisch 4.700 Euro. Steuern, Ersatzinvestitionen und weitere noch nicht erfasste Positionen sind zusätzlich abzuziehen. Das ist keine Einkommenszusage.
Der Artikel verwendet keine bundesweite Marktgröße als Umsatznachweis. Die Nachfrage wird anhand passender Zielkunden, Vergleichsangeboten und realen Anfragen geprüft; alle finanziellen Zahlen sind Modellannahmen.
Das hängt von der tatsächlichen Führungsaufgabe, einem tragfähigen Management und den Förderbedingungen ab. Ein Betrieb mit täglicher Inhaberabhängigkeit lässt sich nicht automatisch neben einem Vollzeitjob weiterführen.
Mindestens historische Abschlüsse, aktuelle Auswertungen, Kunden- und Vertragsübersichten, Personalinformationen, Verbindlichkeiten und Investitionsbedarf. Umfang und Prüfungstiefe richten sich nach Betrieb und Kaufstruktur.
Erst wenn zusätzliche Nachfrage, Prozesse, Führung und vollständige Arbeitgeberkosten über mehrere Monate plausibel sind.
Leite den Kaufpreis aus nachhaltigen Erträgen, Risiken und dem Kaufgegenstand ab und prüfe die Finanzierung unabhängig. Verkäuferwunsch oder Jahresumsatz allein reichen nicht. Eine rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Due Diligence muss vor der Bindung erfolgen.
Mindestens Berufs- oder Betriebshaftpflicht ist zu prüfen. Je nach Modell kommen Vermögensschaden, Inhalt, Fahrzeug, Cyber und Rechtsschutz hinzu.
Für geeignete Übernahmen kann der KfW ERP-Gründerkredit StartGeld infrage kommen. Voraussetzung und Antrag sind vor Beginn mit dem Finanzierungspartner zu klären. Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld unterstützen unter persönlichen Voraussetzungen den Start; sie sind keine pauschale Kaufpreisfinanzierung.
Ein AVGS kann ein zugelassenes Gründungscoaching finanzieren. Maßnahme und Gutschein müssen zusammenpassen und die schriftliche Bewilligung muss vor der Teilnahme vorliegen. Das Gründungscoaching ist eine Ermessensförderung; der Gutschein finanziert keine Betriebsausstattung. Mehr zu AVGS und Gründungszuschuss.
Bei planbarem Dienstleistungsstart häufig mindestens drei Monate, bei Zulassung, Personal, Warenlager oder Saison eher sechs bis zwölf Monate. Prüfe Zahlungseingänge und Kosten mit dem Liquiditätsrechner.
Wir prüfen zuerst Betrieb oder Unternehmensanteile übernehmen, danach Markt, Preis, Kapazität, private Verpflichtungen und Finanzierung.
Nein. Es handelt sich um Modellwerte, mit denen Annahmen sichtbar und veränderbar gemacht werden.
Wenn der nachhaltig verfügbare Cashflow den Kapitaldienst und weitere notwendige Auszahlungen im Belastungsszenario nicht mehr deckt. Dann müssen Kaufpreis, Eigenmittel, Laufzeit, Übergabestruktur oder das Vorhaben selbst neu geprüft werden.

