Gründen als · Berufsleitfaden
Selbstständig machen mit einem Barbershop
Ein Barbershop braucht mehr als eine gute Einrichtung und saubere Übergänge. Die Handwerksrolle muss vor dem Start geklärt sein, jeder Stuhl braucht genügend Auslastung und der Durchschnittsbon muss Miete, Personal, Ausfallzeiten und den Unternehmerlohn tragen. Dieser Leitfaden rechnet das Geschäftsmodell mit konkreten Terminen und Umsätzen durch.
Von Klaus Schaumberger · Stand: 30. September 2026

Das Wichtigste auf einen Blick
| Punkt | Einordnung |
|---|---|
| Einordnung | Zulassungspflichtiges Friseurhandwerk |
| Handwerksrolle | Vor Eröffnung erforderlich |
| Qualifikation | Inhaber nicht zwingend selbst Meister; zulässige Eintragungsgrundlage für den Betrieb erforderlich |
| Startkapital | Modell: etwa 18.000 bis 38.000 Euro |
| Umsatztreiber | Belegte Stuhlstunden, Durchschnittsbon, Wiederkehr und Produktverkauf |
| Größtes Risiko | Schöner Laden, aber zu wenige bezahlte Termine je Stuhl |
Lohnt sich ein eigener Barbershop?
Ein Solo-Barbershop kann tragfähig sein, wenn Preise und bezahlte Termine die Kosten decken. Modellrechnung bei Regelbesteuerung: Acht Kunden pro Tag × 34 Euro Bruttopreis × 22 Öffnungstage ergeben 5.984 Euro Bruttoumsatz. Mit 400 Euro Brutto-Produktverkauf sind es 6.384 Euro. Nach Herausrechnung von 19 Prozent Umsatzsteuer bleiben rund 5.365 Euro Nettoumsatz. Abzüglich angenommener 3.050 Euro betrieblicher Nettokosten verbleiben rund 2.315 Euro vor persönlicher Krankenversicherung, Altersvorsorge und Einkommensteuer. Produktwareneinsatz ist in den Kosten mitzuberechnen.
Für einen höheren Unternehmerlohn reicht es nicht, einfach länger zu öffnen. Der stärkere Hebel ist eine bessere Terminstruktur: Kombileistungen, weniger Leerlauf, konsequente Wiederbuchung und ein zweiter Stuhl erst dann, wenn die Nachfrage bereits vorhanden ist. Ein zusätzlicher Mitarbeiter verursacht nicht nur Bruttolohn, sondern Arbeitgeberanteile, Urlaub, Krankheit und Einarbeitung.
Voraussetzungen und persönliche Eignung
Der Beruf verbindet Handwerk, Kundenkontakt und einen eng getakteten Arbeitstag. Wer fachlich gut arbeitet, aber Termine, Kasse, Hygiene und Wiederbuchung nicht organisiert, verliert Geld zwischen den Haarschnitten. Körperliche Belastbarkeit ist wichtig, weil viele Stunden stehend gearbeitet wird.
- Sichere Schnitt-, Rasur- und Barttechniken
- Freundliche, klare Beratung ohne lange Verzögerungen im Terminplan
- Konsequente Hygiene bei Klingen, Werkzeugen, Wäsche und Arbeitsplätzen
- Grundverständnis für Auslastung, Stundenumsatz und Personalkosten
- Bereitschaft, Bewertungen und Wiederbuchungen aktiv aufzubauen
Kann dein Gründungscoaching gefördert werden?
Du möchtest deine Gründung vorbereiten und bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht? Wir prüfen mit dir, ob ein AVGS-gefördertes Coaching zu deiner Ausgangslage passt.
Erlaubnisse, Anmeldung und fachliche Grenzen
Wer einen Barbershop mit Herrenhaarschnitten, Bartzuschnitten oder Rasuren eröffnet, betreibt grundsätzlich das zulassungspflichtige Friseurhandwerk. Der Betrieb muss daher in die Handwerksrolle eingetragen werden. Der Inhaber muss nicht zwingend selbst Friseurmeister sein. Entscheidend ist eine zulässige Eintragungsgrundlage für den Betrieb. Die bloße Beschränkung auf männliche Kunden oder auf Bartdienstleistungen macht den Betrieb nicht meisterfrei.
Als Eintragungsgrundlage kommen je nach persönlicher Situation beispielsweise eine eigene Meisterqualifikation, ein entsprechend qualifizierter technischer Betriebsleiter, eine Ausübungsberechtigung nach der Altgesellenregelung (§ 7b HwO), eine Ausnahmebewilligung (§ 8 HwO) oder eine für die selbstständige Handwerksausübung anerkannte ausländische Qualifikation in Betracht (§ 7 in Verbindung mit § 50c HwO). Diese Wege haben eigene Voraussetzungen und gelten nicht automatisch. Insbesondere genügt nicht jeder ausländische Ausbildungsnachweis; maßgeblich ist die für die Eintragung erforderliche Anerkennung. Ein Betriebsleiter muss seine Leitungsaufgaben tatsächlich wahrnehmen; eine bloße Namensleihe reicht nicht. Kläre Eintragungsgrundlage und konkrete Leistungen vor Mietvertrag und Eröffnung schriftlich mit der zuständigen Handwerkskammer. Hinzu kommen Gewerbeanmeldung, Kasse, Preisangaben, Hygiene, Arbeitsschutz und gegebenenfalls Nutzungsänderung.
Wann ist keine Eintragung als Friseurbetrieb erforderlich?
Ein Geschäftsmodell ohne wesentliche Tätigkeiten des Friseurhandwerks ist davon zu unterscheiden, etwa der reine Verkauf von Bartpflegeprodukten ohne Haarschnitte, Bartzuschnitte oder Rasuren. Dafür ist grundsätzlich keine Eintragung als Friseurbetrieb erforderlich; allgemeine gewerbliche und produktbezogene Pflichten bleiben bestehen. „Keine Eintragung als Friseurbetrieb“ bedeutet daher nicht pauschal „erlaubnisfrei“.
Sobald Haare oder Bärte fachlich geschnitten oder Rasuren angeboten werden, sollte die handwerksrechtliche Einordnung vor Eröffnung schriftlich mit der zuständigen Handwerkskammer geklärt werden. Maßgeblich sind die tatsächlich angebotenen Leistungen, nicht der Name „Barbershop“.
Geschäftsmodelle und Leistungen
Das wirtschaftliche Modell entsteht aus Stühlen, Öffnungszeiten, Terminlänge und Preisen. Ein Ein-Stuhl-Konzept hat niedrige Personalkosten, aber eine klare Kapazitätsgrenze. Mehrere Stühle erhöhen den möglichen Umsatz und zugleich das Risiko leerer Personalstunden.
- Solo-Barber mit Terminbuchung
- Walk-in-Konzept in stark frequentierter Lage
- Premium-Konzept mit Schnitt, Bart, Rasur und Pflege
- Zwei bis vier Stühle mit angestellten Fachkräften
- Shop-in-Shop oder Untermiete nur nach handwerksrechtlicher Prüfung
- Produktverkauf als Ergänzung, nicht als Rettung einer schwachen Auslastung
Zielgruppe und Positionierung
„Modern, männlich und hochwertig“ ist keine ausreichende Positionierung. Entscheidend sind Einzugsgebiet, Preislage und ein sichtbarer Leistungsunterschied. Ein schneller 25-Minuten-Schnitt spricht andere Kunden an als ein 60-Minuten-Premiumtermin mit Bartpflege und Rasur.
- Preisspanne und Terminlänge der fünf nächsten Wettbewerber erfassen
- Google-Bewertungen nach Wartezeit, Qualität und Serviceproblemen auswerten
- Laufkundschaft und Terminquote getrennt planen
- Klären, ob Parkplätze, ÖPNV oder Innenstadtfrequenz wichtiger sind
- Leistungskarte so begrenzen, dass jeder Preis kalkulierbar bleibt
Den erreichbaren Markt mit konkreten Zahlen prüfen
Prüfe den erreichbaren Markt direkt am geplanten Standort: Preise, Terminverfügbarkeit, Leistungsumfang und Bewertungen der Wettbewerber. Freie Termine sind ein Momentbild, keine sichere Messung ihrer Auslastung. Wiederhole die Erhebung an mehreren Wochentagen und sprich mit möglichen Kunden. Bundesweite Branchengrößen allein belegen die Nachfrage für deinen Laden nicht.
| Prüfgröße | Konkrete Erhebung vor Ort | Bedeutung |
|---|---|---|
| Wettbewerb | Alle Barbershops und Herrensalons in 10 bis 15 Fahrminuten | Realistisches Einzugsgebiet |
| Preise | Schnitt, Bart, Kombination, Kinder, Produkte | Erreichbarer Durchschnittsbon |
| Auslastung | Freie Termine für heute, Freitag und Samstag | Hinweis auf Nachfrage und Kapazität |
| Bewertungen | Anzahl, Aktualität, wiederkehrende Kritik | Chancen für Service und Positionierung |
| Standort | Fußgänger, Parkplätze, Sichtbarkeit, Nachbarschaft | Walk-in-Anteil und Erreichbarkeit |
Beispiel: In einem Einzugsgebiet mit 25.000 erwachsenen Männern reichen 300 aktive Stammkunden aus, wenn jeder durchschnittlich neunmal pro Jahr kommt. Das sind 2.700 Termine beziehungsweise rund 10,2 Termine je Öffnungstag bei 264 Öffnungstagen. Diese Rechnung ist aussagekräftiger als die Einwohnerzahl allein.
Preise und Kalkulation
Leite den Preis aus benötigtem Nettoumsatz und verkaufbarer Zeit ab. Bei 7.000 Euro monatlichem Nettoumsatz und 176 verfügbaren Stunden wären knapp 40 Euro netto je Stunde nötig. Werden davon nur 75 Prozent verkauft, bleiben 132 bezahlte Stunden: rund 53 Euro netto beziehungsweise 63,11 Euro brutto bei 19 Prozent Umsatzsteuer je bezahlter Stunde. Die folgende Leistungstabelle zeigt dagegen Endkundenpreise einschließlich Umsatzsteuer.
| Leistung | Zeit | Modellpreis brutto | Stundenumsatz brutto |
|---|---|---|---|
| Maschinenschnitt | 20 Min. | 24 Euro | 72 Euro |
| Haarschnitt | 35 Min. | 34 Euro | 58 Euro |
| Bartkontur und Pflege | 25 Min. | 27 Euro | 65 Euro |
| Schnitt und Bart | 55 Min. | 55 Euro | 60 Euro |
Die Preise sind Modellwerte und müssen regional geprüft werden. Wechselzeiten, Reinigung, Beratung, verspätete Kunden und No-Shows reduzieren die tatsächlich verkaufbare Zeit. Eine Anzahlung oder klare Stornoregel kann bei Terminbetrieben sinnvoll sein.
Meine Einschätzung aus der Gründungsberatung: Ich würde zuerst die Zahl bezahlter Termine je Stuhl und Woche prüfen. Ein zweiter oder dritter Stuhl ist kein Wachstum, solange er leer bleibt. Der Mietvertrag sollte außerdem erst unterschrieben werden, wenn Handwerksrolle, Betriebsleitung und Nutzbarkeit der Räume geklärt sind.

Kapitalbedarf und laufende Kosten
Der Kapitalbedarf hängt stärker von Umbau und Anzahl der Stühle ab als von Schere und Maschine. Ein kleiner bestehender Salon kann deutlich günstiger übernommen werden als ein Rohbau mit neuen Wasseranschlüssen, Elektrik und Lüftung. Die Kapitalbedarfs-Tabelle dient als Liquiditätsbudget: Verwende dafür tatsächlich zu zahlende Angebotspreise und berücksichtige eine mögliche Vorsteuererstattung separat.
| Kostenblock | Schlanker Start | Ausbau |
|---|---|---|
| Kaution und erste Mieten | 3.000–6.000 Euro | 6.000–12.000 Euro |
| Stühle, Spiegel, Waschplatz | 5.000–10.000 Euro | 15.000–30.000 Euro |
| Werkzeuge, Kasse, Wäsche | 2.000–4.000 Euro | 5.000–8.000 Euro |
| Umbau und Beschilderung | 3.000–8.000 Euro | 15.000–35.000 Euro |
| Liquiditätsreserve | 5.000–10.000 Euro | 12.000–25.000 Euro |
Die Positionen der Tabelle ergeben als Modell 18.000 bis 38.000 Euro für den schlanken Start und 53.000 bis 110.000 Euro für den Ausbau. Es handelt sich um Planungsannahmen, nicht um erhobene Marktpreise. Hole konkrete Angebote ein und plane private Anlaufkosten zusätzlich.
Umsatz, Gewinn und privater Mindestbedarf
Die folgenden drei Szenarien rechnen durchgehend mit Nettoumsätzen und betrieblichen Nettokosten bei Regelbesteuerung. Es sind Planungsmodelle, keine Einkommensprognosen. Persönliche Krankenversicherung, Vorsorge, Einkommensteuer und Lebenshaltung sind daraus noch zu bezahlen.
| Szenario | Monatsumsatz | Betriebskosten | Gewinn vor privaten Abgaben |
|---|---|---|---|
| Start | 4.800 Euro | 2.650 Euro | 2.150 Euro |
| Tragfähiger Solo-Betrieb | 7.200 Euro | 3.250 Euro | 3.950 Euro |
| Zwei gut ausgelastete Stühle | 13.500 Euro | 7.600 Euro | 5.900 Euro |
7.200 Euro Nettoumsatz entsprechen bei 19 Prozent Umsatzsteuer 8.568 Euro Bruttoumsatz. Bei 34 Euro Bruttobon und 22 Tagen wären dafür rund 11,5 bezahlte Termine täglich nötig, soweit kein zusätzlicher Produktumsatz entsteht. Prüfe, ob Terminlängen und Pausen diese Kapazität zulassen. Wer privat 3.000 Euro einschließlich Krankenversicherung und Vorsorge benötigt, muss Einkommensteuer und weitere Rücklagen zusätzlich einplanen.
Marketing und Kundengewinnung
Lokale Suche, Bewertungen und sichtbare Ergebnisse sind wichtiger als allgemeine Lifestyle-Posts. Kunden müssen Preis, freie Termine, Adresse und Arbeitsqualität innerhalb weniger Sekunden finden.
- Google-Unternehmensprofil vollständig pflegen
- Vorher-Nachher-Inhalte nur mit Einwilligung veröffentlichen
- Folgetermin direkt beim Bezahlen anbieten
- Empfehlungen über bestehende Kunden und lokale Partner aufbauen
- No-Show-Quote und Herkunft jeder Erstbuchung erfassen
Monatlich werden neue Kunden, Wiederbuchungsquote, Umsatz je Termin, Auslastung je Wochentag, No-Shows und Produktumsatz gemessen. 20.000 Videoaufrufe helfen wirtschaftlich weniger als 25 zusätzliche bezahlte Termine im Einzugsgebiet.
Wie viele Termine muss dein Barbershop erreichen?
Wenn du einen Barbershop planst, rechnen wir mit dir aus, wie viele Termine jeder Stuhl benötigt und ob Miete, Betriebsleitung und Personalkosten zum Standort passen.
Businessplan
Der Businessplan muss die Kapazität je Stuhl zeigen. Öffnungszeiten allein reichen nicht. Benötigt werden Terminlängen, realistische Auslastung, Durchschnittsbon, Personalplan und eine monatliche Anlaufkurve.
- Nachweis für Handwerksrolle und technische Betriebsleitung
- Standort- und Wettbewerbsanalyse
- Leistungen, Zeiten und Preise
- Kunden je Tag und Stuhl
- Lohnkosten einschließlich Ausfallzeiten
- Umbau, Einrichtung, Finanzierung und Liquidität
Vertiefe deine Planung mit dem Businessplan für die Förderung, dem Stundensatzrechner und dem Break-even-Rechner.
Auslastung im Tagesgeschäft steuern
Ein Barbershop hat vier unterschiedliche Zeiten: bezahlte Behandlung, Wechsel und Reinigung, Leerlauf sowie Organisation. Nur die erste Zeit erzeugt unmittelbar Umsatz. Plane deshalb für jede Leistung eine realistische Dauer einschließlich Begrüßung, Beratung, Kasse und Arbeitsplatzwechsel. Werden 35 Minuten im Buchungssystem angeboten, tatsächlich aber regelmäßig 45 Minuten benötigt, gehen an einem Acht-Stunden-Tag schnell zwei Termine verloren.
Die Auslastung sollte je Wochentag und Tageszeit ausgewertet werden. Freitagabend und Samstag können voll sein, während Dienstagvormittag leer bleibt. Statt alle Zeiten pauschal zu rabattieren, können gezielte Angebote für schwache Fenster sinnvoll sein. Dauerhafte Rabatte für jeden Kunden senken dagegen den Durchschnittsbon und werden später schwer zurückgenommen.
Wiederbuchung macht die Nachfrage planbarer: 300 Stammkunden mit je neun Besuchen ergeben rechnerisch 2.700 Termine. Bei 34 Euro Bruttobon sind das 91.800 Euro Bruttoumsatz im Jahr, bei 19 Prozent Umsatzsteuer rund 77.143 Euro netto vor Produktverkauf. Diese Modellannahmen müssen mit den tatsächlichen Wiederbuchungen und verfügbaren Terminen abgeglichen werden.
Personal und zweiter Stuhl
Ein zweiter Stuhl rechnet sich erst mit zusätzlichen bezahlten Terminen. Angenommene Arbeitgeberkosten von 4.000 Euro monatlich sind getrennt von Arbeitsplatz, Werkzeugen, Wäsche und Produkten zu kalkulieren. Bei 60 Euro Bruttoumsatz je bezahlter Stunde bleiben bei 19 Prozent Umsatzsteuer rund 50,42 Euro netto. Rund 80 zusätzliche Stunden decken damit erst die angenommenen Personalkosten; variable Kosten und ein zusätzlicher Gewinn sind noch nicht gedeckt. Urlaub, Krankheit und Einarbeitung begrenzen die verfügbare Zeit.
Der technische Betriebsleiter darf nicht nur auf dem Papier existieren. Aufgaben, Anwesenheit, Entscheidungsbefugnisse und Vertretung müssen zur Verantwortung passen. Fällt die qualifizierte Person aus oder kündigt, kann das den gesamten Betrieb betreffen. Dieses Risiko gehört in Verträge, Personalplanung und Liquiditätsreserve.
Kennzahlen für die ersten zwölf Monate
| Zeitraum | Zielgröße | Prüffrage |
|---|---|---|
| Monat 1–3 | 80 bis 120 Termine pro Monat | Welche Kanäle bringen Kunden aus dem Einzugsgebiet? |
| Monat 4–6 | 150 bis 180 Termine, Bon mindestens 32 Euro | Welche Leistungen und Zeiten sind profitabel? |
| Monat 7–9 | Wiederbuchungsquote über 60 Prozent | Wie viele Kunden kommen ohne neue Werbung zurück? |
| Monat 10–12 | 200 bis 220 Termine: bei 34 Euro Bon 6.800 bis 7.480 Euro Bruttoumsatz | Trägt der Betrieb Unternehmerlohn und Reserven? |
Die Ziele werden nicht als Erfolgsversprechen verstanden. Sie zeigen früh, ob Preis, Standort und Kundenbindung zusammenpassen. Bleiben Termine aus, muss der Grund getrennt werden: fehlende Bekanntheit, falsche Lage, schwache Bewertungen, unpassende Öffnungszeiten oder ein Angebot, das gegenüber Wettbewerbern keinen klaren Vorteil hat. Erst nach dieser Diagnose sollte zusätzliches Werbebudget eingesetzt werden.
Versicherungen, Steuern und Organisation
Prüfe Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, Rechtsschutz, Krankenversicherung, Altersvorsorge und bei Beschäftigten die gesetzlichen Arbeitgeberpflichten. Die Police muss Rasur, Haarbehandlung, Produkte und alle Beschäftigten abdecken.
Eine elektronische Kasse muss ordnungsgemäß geführt werden. Bargeldintensive Friseurbetriebe stehen besonders im Blickfeld der Finanzverwaltung. Preislisten, Kassenabläufe, Trinkgelder, Gutscheine und Produktverkauf müssen organisatorisch sauber getrennt und dokumentiert sein.
Gründung aus Arbeitslosigkeit
Ein AVGS kann die Vorbereitung der Gründung finanzieren, wenn die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter den Gutschein vor Beginn des Coachings bewilligt. Im Coaching prüfen wir Angebot, Markt, Preise, Investitionen, Businessplan, Rentabilität und Liquidität. Der Gutschein bezahlt keine Einrichtung, kein Fahrzeug und kein Warenlager.
Für den Gründungszuschuss müssen bei Aufnahme der hauptberuflichen Selbstständigkeit grundsätzlich noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Zusätzlich werden eine fachkundige Stellungnahme, ein belastbarer Businessplan und der Nachweis der persönlichen Eignung verlangt. Beim Bürgergeld können Einstiegsgeld und weitere Leistungen geprüft werden. Beide Förderungen sind Ermessensleistungen.
Gründer-Helden-Check: Vor einer Förderentscheidung müssen Handwerksrolle, Standortkosten und die verantwortliche Betriebsleitung plausibel feststehen. Sonst beruht der Businessplan auf einem Betrieb, der in dieser Form möglicherweise nicht eröffnet werden darf.
Prüfe passend zu deiner Ausgangslage Gründungszuschuss, Einstiegsgeld, AVGS-Coaching und die fachkundige Stellungnahme. Für betriebliche Investitionen kommt je nach Förderbedingungen auch ein Mikrokredit infrage; ein Kredit ist zurückzuzahlen.
Ein realistischer 90-Tage-Plan
Tag 1–30
Voraussetzungen und Angebot klären
- Qualifikation, Handwerksrolle und Betriebsleitung mit der Handwerkskammer klären.
- Einzugsgebiet, Wettbewerber, Preise und Standortfrequenz erfassen.
- Offene Voraussetzungen und Rückmeldungen schriftlich dokumentieren.
Ergebnis: Geklärter Weg zur Handwerksrolle und dokumentierte Standortprüfung.
Tag 31–60
Preise und Finanzierung prüfen
- Leistungen, Terminzeiten, Kapazität und Mindestumsatz berechnen.
- Räume technisch prüfen, Angebote einholen und Finanzierung planen.
- Zusätzlich ein schwächeres Umsatzszenario und private Anlaufkosten rechnen.
Ergebnis: Preisliste mit Terminzeiten, Kapitalbedarf und monatlicher Liquiditätsplanung.
Tag 61–90
Startabläufe testen und auswerten
- Verträge, Kasse, Versicherungen, Website und Buchungssystem vorbereiten.
- Eröffnungskampagne starten, erste Termine auswerten und Wiederbuchung aufbauen.
- Ist-Zeiten und tatsächliche Kosten mit der Planung vergleichen.
Ergebnis: Buchbarer Eröffnungsbetrieb mit ausgewerteten Terminen und Wiederbuchungsquote.
Häufige Fehler
- Mietvertrag unterschreiben, bevor die Handwerksrolle geklärt ist
- Umsatz mit Vollauslastung ab dem ersten Monat planen
- Mehrere Stühle einrichten, ohne Nachfrage und Personal zu haben
- Zu niedrige Preise mit „schneller arbeiten“ ausgleichen
- No-Shows, Reinigung und Wechselzeiten ignorieren
- Social-Media-Reichweite mit lokalen Buchungen verwechseln
Fazit
Ein Barbershop kann ein gutes Einkommen liefern, wenn Zulassung, Standort und Terminkapazität zusammenpassen. Die erste belastbare Rechnung beginnt mit Kunden pro Tag und Umsatz pro produktiver Stunde. Einrichtung und zusätzliche Stühle folgen erst danach.
Dein nächster Schritt: Lass vor Mietvertrag und Finanzierung prüfen, wie viele Termine du zu welchem Preis brauchst und welche Förderung zu deiner Ausgangslage passt.
Deine Gründung konkret planen
Wir prüfen mit dir Geschäftsmodell, Zahlen und den passenden Förderweg. Starte mit einer Einschätzung deiner Ausgangssituation.
Weitere Orientierung: Alle Gründungsberufe und Gründen als Friseur.
Quellen und Einordnung
Stand: 30. September 2026. Rechenbeispiele und Zielwerte sind Planungsannahmen, keine amtlichen Durchschnittswerte oder Erfolgszusagen. Rechtliche und persönliche Voraussetzungen sind vor dem Start im Einzelfall zu klären.
- Handwerkskammer Rheinhessen: Barbershops und Handwerksrolle
- Handwerksordnung Anlage A, Nummer 38
- § 7 HwO: Eintragungsvoraussetzungen
- § 1 HwO: wesentliche Handwerkstätigkeiten
- § 7b HwO: Altgesellenregelung
- § 8 HwO: Ausnahmebewilligung
- § 50c HwO: Gleichwertigkeit ausländischer Qualifikationen
- BMF: Kassengesetz und Belegpflicht
- Bundesagentur für Arbeit: Gründungszuschuss
- Bundesagentur für Arbeit: AVGS
- § 16b SGB II: Einstiegsgeld

