Podologie gründen: Erlaubnis, Praxis und Kalkulation2026-10-07T23:45:50+02:00

Gründen als · Berufsleitfaden

Podologie gründen: Erlaubnis, Praxis und Kalkulation

Wer sich als Podologe selbstständig macht, braucht mehr als fachliches Können. Dieser Leitfaden verbindet Erlaubnis, Kassenzulassung, Hygiene, mobile Versorgung und Termindichte mit einer konkreten Marktprüfung und einer nachvollziehbaren Umsatzrechnung. Preis-, Kosten- und Umsatzbeispiele sind ausdrücklich Gründer-Helden-Modellrechnungen; die lokale Nachfrage muss vor Ort geprüft werden.

Von Klaus Schaumberger · Stand: 7. Oktober 2026

Leerer Behandlungsstuhl, Arbeitsleuchte und Instrumentenschalen in einem Fußpflegeraum
KI-generiertes Symbolbild

Das Wichtigste auf einen Blick

PunktEinordnung
GeschäftsmodellErlaubnis, Kassenzulassung, Hygiene, mobile Versorgung und Termindichte
Schlanker Kapitalbedarf19.000 Euro
Ausbau erst bei Auslastung52.000 Euro
RechengrößeAbrechenbarer Behandlung
Modellumsatz pro Monat8.580 Euro
Größtes RisikoMedizinische und kosmetische Leistungen sprachlich, fachlich und rechnerisch vermischen

Was bei dieser Gründung wirtschaftlich entscheidet

Im Zielszenario des Modells werden 165 Einheiten zu durchschnittlich 52 Euro verkauft. Daraus entstehen 8.580 Euro Monatsumsatz. Nach 2.500 Euro betrieblichen Kosten verbleiben rechnerisch 6.080 Euro vor Krankenversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und privaten Lebenshaltungskosten. Diese Rechnung ist kein Branchenversprechen, sondern ein Prüfmodell: Preis, Menge und Kosten müssen mit dem tatsächlichen Standort und Angebot ersetzt werden. Die Rechnung unterstellt begünstigte, umsatzsteuerfreie Heilbehandlungen nach § 4 Nr. 14 UStG. Kosten enthalten nicht abziehbare Umsatzsteuer; steuerpflichtige Zusatzleistungen sind getrennt zu kalkulieren.

Der wichtigste Hebel ist die Zahl der wirklich verkaufbaren Einheiten. Arbeitszeit ist nicht automatisch Umsatzzeit. Akquise, Vorbereitung, Dokumentation, Fahrt, Einkauf, Ausfälle und Verwaltung reduzieren die Kapazität. Wer seinen privaten Mindestbedarf kennt, rechnet deshalb rückwärts: benötigter Gewinn plus betriebliche Kosten ergibt den erforderlichen Umsatz; geteilt durch den realistischen Preis ergibt sich die notwendige Menge.

Voraussetzungen und persönliche Eignung

Für den Start müssen fachliche Arbeit und Organisation zusammenpassen. Prüfe anhand einer Musterwoche, wie viel Zeit nach Dokumentation, Fahrten, Ausfällen und Verwaltung für bezahlte Leistungen bleibt. Erlaubnispflichtige Leistungen dürfen auch im Praxistest erst nach Erfüllung der erforderlichen Voraussetzungen angeboten werden.

  • Fachliche Qualifikation und belastbare Arbeitsergebnisse
  • Realistische Einschätzung von Tempo und Kapazität
  • Klare Kommunikation mit Kunden und Partnern
  • Grundverständnis für Preis, Deckungsbeitrag und Liquidität
  • Bereitschaft zu Akquise, Dokumentation und laufender Nachkalkulation

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Erlaubnisse, Anmeldung und fachliche Grenzen

Die Berufsbezeichnungen Podologin, Podologe, medizinische Fußpflegerin und medizinischer Fußpfleger sind nach § 1 Podologengesetz geschützt; gesetzliche Übergangsberechtigungen bleiben zu beachten. Eine Podologieausbildung beziehungsweise Berufserlaubnis ist keine allgemeine Erlaubnis zur eigenständigen Ausübung der Heilkunde. Medizinisch indizierte Behandlungen erfolgen im zulässigen Rahmen etwa auf ärztliche Veranlassung; eigenständige Heilkunde setzt eine dafür ausreichende Berechtigung voraus. Kosmetische Fußpflege darf keine medizinische Berufsqualifikation vortäuschen. Für die Abrechnung verordneter Heilmittel mit gesetzlichen Krankenkassen ist zusätzlich die Heilmittelzulassung zu klären. Berufsbezeichnung, konkrete Behandlungserlaubnis und Kassenabrechnung sind drei getrennte Prüfungen. Die GKV-Zulassung richtet sich nach § 124 SGB V; Leistungs- und Vergütungsbedingungen nach den Verträgen gemäß § 125 SGB V.

Vor dem Start sind steuerliche Erfassung, zuständige Berufsgenossenschaft, Datenschutz, Versicherungen und gegebenenfalls die zulässige Raumnutzung zu klären. Ob daneben eine Gewerbeanmeldung erforderlich ist, hängt von der konkreten Tätigkeit ab; bei einer freiberuflichen Tätigkeit ist sie grundsätzlich nicht erforderlich. Zusätzliche gewerbliche Angebote sind gesondert zu beurteilen.

Leistungen und Geschäftsmodelle

Ein klarer Leistungskatalog verhindert, dass jede Anfrage zu einem Sonderfall wird. Für den Start werden zwei bis vier Kernleistungen ausgewählt und mit Zielgruppe, Preislogik, Zeitbedarf und Ausschlüssen beschrieben.

  • Podologische Behandlung innerhalb der Berufs- und Heilkundebefugnisse
  • Privatbehandlungen
  • Hausbesuche
  • Versorgungsschwerpunkte nach Qualifikation
  • Kosmetische Zusatzleistungen mit klarer Trennung

Markt und regionale Nachfrage prüfen

Für die lokale Planung werden Verordner, zugelassene Praxen, Pflegeeinrichtungen, Wartezeiten und verfügbare Behandlungskapazität erhoben. Bundesweite Gesundheitsausgaben sagen wenig über die Nachfrage an einem konkreten Standort aus. Erst die Verbindung von erreichbaren Fällen, Verordnungen und tatsächlich verfügbaren Terminen trägt die Umsatzplanung.

PrüfgrößeKonkrete ErhebungEntscheidung
NachfrageSuchanfragen, Empfehlungen und reale Anfragen im EinzugsgebietReicht die Zahl passender Kunden für die geplante Menge?
WettbewerbZehn bis dreißig direkte Anbieter mit Preisen und BewertungenWelche Lücke ist erkennbar?
PreisVeröffentlichte Preise und drei konkrete VergleichsangeboteIst der Modellpreis regional erreichbar?
KapazitätWartezeiten, freie Termine oder Lieferzeiten der AnbieterBesteht Nachfrage oder nur ein großes Angebot?
PartnerFünf bis zwanzig mögliche MultiplikatorenWelche Kontakte können regelmäßig Kunden bringen?

Plane die erforderlichen neuen Fälle aus der Zahl abrechenbarer Termine und der durchschnittlichen Terminzahl je Fall. Eine pauschale Wiederkehrrate von 50 Prozent reicht dafür nicht: Folgebehandlungen, Projektlaufzeiten, Kursgrößen und Ausfälle verändern die Rechnung. Erst gemessene Anfrage- und Abschlusszahlen zeigen, ob das Einzugsgebiet die geplante Auslastung trägt.

Preise und Kapazitätsrechnung

SzenarioMenge pro MonatModellerlös je Einheit ohne abzuführende UmsatzsteuerMonatsumsatz
Anlauf9148 Euro4.368 Euro
Zielszenario (Modell)16552 Euro8.580 Euro
Ausgelastet20655 Euro11.330 Euro

Bei GKV-Leistungen bestimmt der jeweils geltende Vertrag die Abrechnung; der Modellpreis ist kein frei wählbarer Kassensatz. Der durchschnittliche Erlös entsteht aus Leistungspositionen, Zeitvorgaben und tatsächlichem Mix. Freie Preise kommen nur für entsprechend vereinbarte Privatleistungen in Betracht. Kosten und nicht abrechenbare Zeit müssen auch bei vorgegebenen Vergütungen gedeckt sein.

Für die Gründungsplanung stehen Erlaubnis, Kassenzulassung, Hygiene, mobile Versorgung und Termindichte im Vordergrund. Ein vermeidbares Risiko besteht darin, medizinische und kosmetische Leistungen sprachlich, fachlich und rechnerisch zu vermischen. Vor größeren Investitionen müssen Nachfrage, erlaubter Leistungsumfang und tatsächlicher Zeitbedarf zusammenpassen.

Taschenrechner und Planungsunterlagen für Medizinische Fußpflege und Podologie
KI-generiertes Symbolbild

Kapitalbedarf und laufende Kosten

KostenblockSchlanker StartAusbau
Ausstattung und Technik6.650 Euro20.800 Euro
Raum, Fahrzeug oder Lager3.800 Euro13.000 Euro
Website, Vertrieb und Eröffnung2.280 Euro5.200 Euro
Versicherung, Anmeldung und Reserve6.270 Euro13.000 Euro
Summe19.000 Euro52.000 Euro

Das schlanke Modell liegt bei rund 19.000 Euro. Der Ausbau mit größerer Fläche, zusätzlicher Technik, Warenbestand, Fahrzeugen oder Personal kann etwa 52.000 Euro erfordern. Diese Werte sind Planungsrahmen. Vor Finanzierung werden Angebote, Kaution, Anlaufverluste und mindestens drei bis sechs Monate Liquidität einzeln belegt.

Umsatz, Gewinn und privater Mindestbedarf

SzenarioMonatsumsatzBetriebskostenVereinfachter Überschuss vor privaten Abgaben
Anlauf4.368 Euro2.050 Euro2.318 Euro
Zielszenario8.580 Euro2.500 Euro6.080 Euro
Ausbau11.330 Euro4.375 Euro6.955 Euro

Die letzte Tabellenspalte zeigt einen vereinfachten betrieblichen Überschuss, kein verfügbares Nettoeinkommen und keinen abschließend ermittelten steuerlichen Gewinn. Abschreibungen, Finanzierungskosten und bisher nicht erfasste Aufwendungen müssen ergänzt werden. Krankenversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und private Lebenshaltung werden daraus getragen. Kreditrückzahlungen sind zusätzlich im Liquiditätsplan zu berücksichtigen.

Kundengewinnung ohne beliebige Werbung

Marketing beginnt mit einem überprüfbaren Angebot: für wen, welches Problem, welches Ergebnis, in welchem Gebiet und zu welchem Preisrahmen. Danach werden wenige Kanäle konsequent genutzt. Entscheidend ist nicht Reichweite, sondern wie viele qualifizierte Anfragen zu bezahlten Aufträgen werden und wie viele Kunden wiederkommen oder empfehlen.

  • Google-Unternehmensprofil und lokale Suchbegriffe bei regionalen Leistungen
  • Fachliche Qualifikation und transparent erklärter Ablauf; personenbezogene Referenzen nur mit wirksamer Einwilligung
  • Kooperationen mit passenden Multiplikatoren
  • Klare Angebotsseite mit Preislogik und Ausschlüssen
  • Monatliche Messung von Anfragequelle, Abschlussquote, Auftragswert und Wiederkehr

Businessplan und Finanzierung

Der Businessplan übersetzt das Vorhaben in überprüfbare Annahmen. Statt pauschaler Marktbehauptungen zeigt er konkrete Zielkunden, erreichbares Gebiet, Wettbewerber, Auftragsaufbau und Kapazität. Die Finanzplanung wird monatlich aufgebaut, weil eine Jahreszahl die Anlaufphase verdeckt.

  • Qualifikation, Zulassungen und Leistungsgrenzen
  • Zielgruppe, Einzugsgebiet und Wettbewerber
  • Preise, Zeitbedarf und verkaufbare Einheiten
  • Investitionen mit Angeboten und Finanzierungsnachweis
  • Monatlicher Umsatzaufbau für mindestens zwölf Monate
  • Private Kosten, Steuern, Sozialversicherung und Liquiditätsreserve
  • Risiken sowie messbare Gegenmaßnahmen

Arbeite deine Annahmen im Businessplan für die Förderung aus. Prüfe deine Zahlen mit dem Stundensatzrechner und dem Break-even-Rechner.

Vertiefe die Kalkulation: Liquiditätsrechner – monatliche Zahlungslücken erkennen; Krankenkassen-Rechner – gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge modellieren.

Die Zahlen, die nicht schöngerechnet werden dürfen

Erstens: die verkaufbare Kapazität. Das Modell benötigt 165 Einheiten pro Monat. Zweitens: der Preis von durchschnittlich 52 Euro. Drittens: laufende Betriebskosten von ungefähr 2.500 Euro. Sinkt die Menge um 20 Prozent, fällt der Umsatz entsprechend, während viele Kosten bleiben. Bei Kassenleistungen lässt sich eine Unterdeckung nicht durch eine beliebige Preiserhöhung lösen. Zu prüfen sind zulässiger Leistungsmix, Kapazität, Kosten und das erreichbare Versorgungsgebiet.

Prüfe zusätzlich ein Szenario mit 30 Prozent weniger Umsatz: Wie lange reicht die Reserve, welche Kosten laufen weiter und wann werden offene Rechnungen bezahlt? Rechne Urlaub und Krankheit in der Jahreskapazität mit. Eine einzelne gute Arbeitswoche darf nicht auf zwölf Monate hochgerechnet werden.

Ein realistischer Auftragsmix statt einer einzigen Umsatzquelle

Plane verordnete Behandlungen, zulässige Privatleistungen und Hausbesuche getrennt. Für jede Position werden Vergütung, Leistungsdauer, Dokumentation und gegebenenfalls Fahrtzeit erfasst. Bei Kassenleistungen gelten die Vertrags- und Verordnungsbedingungen. Kosmetische Fußpflege ist fachlich, steuerlich und in der Abrechnung von medizinisch indizierten Heilbehandlungen zu trennen.

Eine reine Rechenprobe verteilt den Zielumsatz von 8.580,00 Euro auf drei zuvor definierte Leistungsgruppen: 60 Prozent entsprechen 5.148,00 Euro, 25 Prozent 2.145,00 Euro und 15 Prozent 1.287,00 Euro. Diese Aufteilung ist keine Branchenempfehlung. Sie ist nur sinnvoll, wenn jede Gruppe rechtlich zulässig, separat kalkuliert und durch tatsächliche Nachfrage belegt ist; dieselbe Behandlung darf nicht doppelt gezählt werden.

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Wochenplanung mit verkaufbarer und unbezahlter Zeit

Die Monatsmenge von 165 Einheiten wird auf Arbeitswochen und Verkaufstage heruntergebrochen. Bei 4,3 Wochen sind das rund 38 Einheiten pro Woche. Diese Zahl muss praktisch möglich sein: einschließlich Vorbereitung, Fahrt, Reinigung, Dokumentation, Angebotsarbeit, Einkauf, Kommunikation und Ausfällen. Wenn die rechnerische Menge nur mit dauerhaft 55 oder 60 Arbeitsstunden erreichbar ist, stimmt nicht automatisch der persönliche Einsatz – möglicherweise sind Preis, Prozess oder Geschäftsmodell falsch gewählt.

Im Wochenkalender werden deshalb zuerst feste Unternehmerzeiten reserviert: Buchhaltung, Angebote, Nachfassen, Content oder lokale Akquise sowie ein Puffer für Reklamationen und Unvorhergesehenes. Erst die verbleibende Zeit ist Leistungskapazität. Nach vier Wochen werden Plan- und Ist-Zeit verglichen. Wiederkehrende Abweichungen gehören in die Kalkulation; sie dürfen nicht dauerhaft durch unbezahlte Mehrarbeit ausgeglichen werden.

Zahlungsfluss und Liquidität in der Praxis

Die Kapitalbedarfstabelle ist ein grober Budgetrahmen, keine vollständige Liquiditätsreserve. Zusätzlich sind Abrechnungsfristen, mögliche Rückfragen, offene Privatforderungen sowie die Anlaufzeit bis zu regelmäßigen Zahlungen zu planen. Nicht jede erbrachte Leistung führt sofort zu einem verfügbaren Zahlungseingang.

Die Liquiditätsplanung erfasst Anfangsbestand, realistische Einzahlungen, Investitionen, laufende Ausgaben, Privatentnahmen und Kreditraten. Umsatzsteuer wird nur dort eingeplant, wo sie tatsächlich anfällt; bei steuerfreien Leistungen kann nicht abziehbare Vorsteuer die Kosten erhöhen. Einkommensteuer, bekannte Jahreskosten und Ersatzinvestitionen benötigen eigene Reserven.

Wann Wachstum sinnvoll ist und wann nicht

Der Ausbau auf rund 52.000 Euro Kapitalbedarf ist erst sinnvoll, wenn das schlanke Modell wiederholt ausgelastet ist. Ein größerer Raum, mehr Technik, ein zusätzliches Fahrzeug oder Personal beseitigen keine unklare Positionierung. Vor jeder Erweiterung wird gerechnet, wie viel zusätzlicher Monatsumsatz die neue Fixkostenstufe benötigt und wie viele zusätzliche Einheiten daraus entstehen. Erst danach wird geprüft, ob Markt, Personal und Organisation diese Menge tragen.

Vor einem Ausbau müssen Nachfrage, Versorgungskapazität und Liquidität über mehrere Monate belegt sein. Bei Kassenleistungen sind Vergütung und Leistungsumfang vertraglich gebunden. Bessere Terminplanung, kürzere Wege oder weniger Ausfälle können wirtschaftlich mehr bewirken als zusätzliche Räume.

Kennzahlen für die ersten zwölf Monate

ZeitraumZielPrüffrage
Monat 1 bis 391 Einheiten im MonatWelche Kanäle liefern zahlende Kunden?
Monat 4 bis 6124 Einheiten im MonatStimmen Preis und tatsächlicher Zeitbedarf?
Monat 7 bis 9148 Einheiten im MonatWie hoch sind Wiederkehr und Empfehlung?
Monat 10 bis 12165 Einheiten und 8.580 Euro UmsatzTrägt der Betrieb private Ziele und Reserven?

Gründung aus Arbeitslosigkeit

Ein AVGS kann ein zugelassenes Gründungscoaching finanzieren, wenn Agentur für Arbeit oder Jobcenter den Gutschein vor Beginn bewilligen. Das Coaching kann Geschäftsmodell, Markt, Kalkulation, Businessplan und Finanzierung abdecken; es bezahlt keine Investitionen. Für den Gründungszuschuss müssen bei Aufnahme der hauptberuflichen Selbstständigkeit grundsätzlich noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Eine fachkundige Stellungnahme und ein tragfähiger Businessplan gehören regelmäßig zu den Unterlagen. Die Förderung ist eine Ermessensleistung.

Je nach Ausgangslage helfen die Leitfäden zu Gründungszuschuss, Einstiegsgeld, AVGS-Coaching und fachkundiger Stellungnahme. Für betriebliche Investitionen kann je nach Voraussetzungen ein Mikrokredit infrage kommen; ein Kredit ist zurückzuzahlen.

Häufige Fehler

  • Medizinische und kosmetische Leistungen sprachlich, fachlich und rechnerisch vermischen
  • Bundesweite Marktzahlen mit dem eigenen erreichbaren Markt verwechseln
  • Alle Arbeitsstunden als abrechenbar einplanen
  • Private Kosten und Steuerreserve nicht vollständig berücksichtigen
  • Große Räume, Personal oder Technik zu früh finanzieren
  • Leistungen ohne klare Ausschlüsse und Nachträge anbieten
  • Marketing an Reichweite statt an qualifizierten Aufträgen messen

Ein realistischer 90-Tage-Plan

Tag 1–30

Angebot und Voraussetzungen

  • Berufserlaubnis und Leistungsgrenzen prüfen
  • Raum- und Hygieneanforderungen klären
  • Einzugsgebiet und Bedarf an Hausbesuchen erfassen

Ergebnis: Dokumentierte Voraussetzungen, abgegrenztes Leistungsangebot und geprüftes Einsatzgebiet.

Tag 31–60

Kalkulation und Finanzierung

  • Zulassung und Abrechnungsprozesse vorbereiten
  • Hygieneausstattung mit Angeboten budgetieren
  • Behandlung, Aufbereitung und Fahrtzeiten kalkulieren

Ergebnis: Konkrete Angebote, nachvollziehbare Vergütung und ein Liquiditätsplan für zwölf Monate.

Tag 61–90

Abläufe prüfen und Start vorbereiten

  • Erst nach erfüllten Voraussetzungen Behandlungen aufnehmen
  • Behandlungs- und Hygienezeiten dokumentieren
  • Touren und Reserve anhand der Praxiswerte anpassen

Ergebnis: Ein dokumentierter Praxistest mit gemessenen Gesamtzeiten und einer Entscheidung zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit.

Fazit

Die Selbstständigkeit als Podologe kann ein gutes Einkommen ermöglichen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen stimmen und Preis, Kapazität sowie Nachfrage gemeinsam gerechnet werden. Ein schlanker Start reduziert das Risiko. Entscheidend ist nicht der größtmögliche Umsatz, sondern ein Betrieb, der den persönlichen Mindestbedarf, Steuern, Vorsorge und Rücklagen zuverlässig tragen kann.

Dein nächster sinnvoller Schritt: Lass vor größeren Ausgaben prüfen, wie viele Kunden oder Aufträge du wirklich brauchst und ob dein erreichbarer Markt diese Menge tragen kann.

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Häufige Fragen: Podologe

Wie viel Startkapital sollte ich einplanen?2026-10-07T23:42:33+02:00

Im schlanken Modell rund 19.000 Euro. Der tatsächliche Betrag ergibt sich aus Angeboten, Kaution, Ausstattung und Liquiditätsreserve. Vertiefe die Zahlen im Businessplan für die Förderung.

Welchen Monatsumsatz braucht das Modell?2026-10-07T23:42:33+02:00

Die beispielhafte Modellrechnung arbeitet mit 8.580 Euro Monatsumsatz. Dein Wert hängt von privaten Zielen und tatsächlichen Kosten ab.

Wie wurde der Marktwert ermittelt?2026-10-07T23:42:34+02:00

Die Nachfrage wird anhand realer Anfragen, örtlicher Anbieter, Wartezeiten und erreichbarer Fälle geprüft. Die Zahlen der Kalkulation sind Planungsannahmen und keine amtlichen Branchendurchschnitte.

Kann ich nebenberuflich starten?2026-10-07T23:42:34+02:00

Ja, wenn Arbeitsvertrag, Zeit, Versicherungen und rechtliche Voraussetzungen passen. Ein Test kann Nachfrage und Zeitbedarf sichtbar machen.

Wann lohnt sich ein eigener Raum?2026-10-07T23:42:35+02:00

Vor einem Mietvertrag müssen Nutzung und aktuelle Zulassungsanforderungen an die Praxisräume geprüft werden. Für eine GKV-Praxis ist die zugelassene Ausstattung eine Voraussetzung; die monatlichen Vollkosten müssen trotzdem durch realistische Behandlungskapazität gedeckt sein.

Wann sollte ich Personal einstellen?2026-10-07T23:42:35+02:00

Erst wenn zusätzliche Nachfrage, Prozesse, Führung und vollständige Arbeitgeberkosten über mehrere Monate plausibel sind.

Wie kalkuliere ich meinen Preis?2026-10-07T23:42:36+02:00

Zuerst werden aktuelle Vertragsvergütungen und der konkrete Leistungsmix geprüft. Der Tabellenwert ist ein kalkulatorischer Durchschnitt und kein offizieller Vergütungssatz. Daraus werden notwendige Fallzahl, Gesamtkosten und zeitliche Kapazität abgeleitet; Privatleistungen benötigen eine gesonderte Vereinbarung. Die Planung unterstützt der Stundensatzrechner.

Welche Versicherungen brauche ich?2026-10-07T23:42:37+02:00

Mindestens Berufs- oder Betriebshaftpflicht ist zu prüfen. Je nach Modell kommen Vermögensschaden, Inhalt, Fahrzeug, Cyber und Rechtsschutz hinzu.

Ist die Kleinunternehmerregelung sinnvoll?2026-10-07T23:42:37+02:00

Die Kleinunternehmerregelung betrifft die Umsatzsteuer, nicht die Einkommensteuer. Bei den Zielumsätzen dieses Modells darf ihre dauerhafte Anwendung nicht vorausgesetzt werden. Zuerst ist zu prüfen, ob einzelne Leistungen bereits nach § 4 UStG steuerfrei sind; anschließend werden die Voraussetzungen des § 19 UStG sowie mögliche Vorsteuern und Kundenpreise bewertet. Eine Berufsbezeichnung oder Präventionszertifizierung allein entscheidet die Umsatzsteuerfrage nicht. Vergleiche die Modelle mit dem Kleinunternehmer-Rechner.

Kann ein AVGS das Coaching bezahlen?2026-10-07T23:42:38+02:00

Ja, wenn ein AVGS vor Beginn bewilligt wird und Maßnahme sowie Träger zugelassen sind. Einen Rechtsanspruch auf Bewilligung gibt es nicht. Mehr zu AVGS und Gründungszuschuss.

Wie lange sollte die Liquiditätsreserve reichen?2026-10-07T23:42:38+02:00

Bei planbarem Dienstleistungsstart häufig mindestens drei Monate, bei Zulassung, Personal, Warenlager oder Saison eher sechs bis zwölf Monate. Prüfe Zahlungseingänge und Kosten mit dem Liquiditätsrechner.

Was prüft Gründer Helden zuerst?2026-10-07T23:42:39+02:00

Wir prüfen zuerst Erlaubnis, Kassenzulassung, Hygiene, mobile Versorgung und Termindichte, danach Markt, Preis, Kapazität, private Verpflichtungen und Finanzierung.

Sind die Umsatzzahlen garantiert?2026-10-07T23:42:39+02:00

Nein. Es handelt sich um Modellwerte, mit denen Annahmen sichtbar und veränderbar gemacht werden.

Wie erkenne ich zu niedrige Preise?2026-10-07T23:42:40+02:00

Wenn der Erlös pro tatsächlich benötigter Gesamtzeit die Betriebskosten und deinen Mindestbedarf nicht deckt. Bei GKV-Leistungen sind Vertragsvergütung, Leistungspositionen, Ausfälle und Abläufe zu prüfen; der Kassensatz kann nicht beliebig erhöht werden. Die Planung unterstützt der Stundensatzrechner.

Klaus Schaumberger, Gründungscoach bei Gründer-Helden

Über den Autor

Klaus Schaumberger

Klaus Schaumberger ist seit 2006 selbstständig und seit 2008 hauptberuflich als Gründungsberater tätig. Von 2008 bis Ende 2015 begleitete er Gründungen unter anderem im Gründercoaching Deutschland. Seit 2016 unterstützt er Gründerinnen und Gründer im AVGS-Gründungscoaching bei Geschäftsmodell, Businessplan, Finanzierung und Kundengewinnung.

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