Gründen als · Berufsleitfaden
Systemischer Berater werden: Selbstständigkeit planen
Wer sich als systemischer Berater selbstständig macht, braucht mehr als fachliches Können. Dieser Leitfaden verbindet Zielgruppe, Heilkundeabgrenzung, Pakete, Vertrieb und DRV-Prüfung mit einer konkreten Marktprüfung und einer nachvollziehbaren Umsatzrechnung. Preis-, Kosten- und Umsatzbeispiele sind ausdrücklich Gründer-Helden-Modellrechnungen; die lokale Nachfrage muss vor Ort geprüft werden.
Von Klaus Schaumberger · Stand: 7. Oktober 2026

Das Wichtigste auf einen Blick
| Punkt | Einordnung |
|---|---|
| Geschäftsmodell | Zielgruppe, Heilkundeabgrenzung, Pakete, Vertrieb und DRV-Prüfung |
| Schlanker Kapitalbedarf | 7.000 Euro |
| Ausbau erst bei Auslastung | 22.000 Euro |
| Rechengröße | Abrechenbarer Beratungsstunde |
| Modellumsatz pro Monat | 7.700 Euro |
| Größtes Risiko | Eine breite Methodenbeschreibung anbieten, ohne kaufbare Zielgruppe und Anlass zu benennen |
Was bei dieser Gründung wirtschaftlich entscheidet
Im Zielszenario des Modells werden 70 Einheiten zu durchschnittlich 110 Euro verkauft. Daraus entstehen 7.700 Euro Monatsumsatz. Nach 1.400 Euro betrieblichen Kosten verbleiben rechnerisch 6.300 Euro vor Krankenversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und privaten Lebenshaltungskosten. Diese Rechnung ist kein Branchenversprechen, sondern ein Prüfmodell: Preis, Menge und Kosten müssen mit dem tatsächlichen Standort und Angebot ersetzt werden. Alle Erlöse sind hier netto vor Umsatzsteuer gerechnet; Kosten sind netto angesetzt, soweit Vorsteuer abziehbar ist. Bei regulär 19 Prozent Umsatzsteuer werden aus 110 Euro netto 130,90 Euro Endpreis. Steuerbefreiungen für Bildungsangebote dürfen nicht pauschal vorausgesetzt werden.
Der wichtigste Hebel ist die Zahl der wirklich verkaufbaren Einheiten. Arbeitszeit ist nicht automatisch Umsatzzeit. Akquise, Vorbereitung, Dokumentation, Fahrt, Einkauf, Ausfälle und Verwaltung reduzieren die Kapazität. Wer seinen privaten Mindestbedarf kennt, rechnet deshalb rückwärts: benötigter Gewinn plus betriebliche Kosten ergibt den erforderlichen Umsatz; geteilt durch den realistischen Preis ergibt sich die notwendige Menge.
Voraussetzungen und persönliche Eignung
Für den Start müssen fachliche Arbeit und Organisation zusammenpassen. Prüfe anhand einer Musterwoche, wie viel Zeit nach Dokumentation, Fahrten, Ausfällen und Verwaltung für bezahlte Leistungen bleibt. Erlaubnispflichtige Leistungen dürfen auch im Praxistest erst nach Erfüllung der erforderlichen Voraussetzungen angeboten werden.
- Fachliche Qualifikation und belastbare Arbeitsergebnisse
- Realistische Einschätzung von Tempo und Kapazität
- Klare Kommunikation mit Kunden und Partnern
- Grundverständnis für Preis, Deckungsbeitrag und Liquidität
- Bereitschaft zu Akquise, Dokumentation und laufender Nachkalkulation
Kann dein Gründungscoaching gefördert werden?
Du planst deine Selbstständigkeit und bist arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht? Wir prüfen mit dir, ob ein AVGS-gefördertes Gründungscoaching zu deiner Situation passt.
Erlaubnisse, Anmeldung und fachliche Grenzen
Beratung zu beruflichen oder persönlichen Veränderungssituationen muss von der Feststellung und Behandlung psychischer Erkrankungen abgegrenzt werden. Ein Beratungszertifikat ersetzt keine Erlaubnis zur Heilkunde. Bei lehrender Tätigkeit kann Rentenversicherungspflicht nach § 2 SGB VI bestehen, insbesondere wenn regelmäßig kein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer beschäftigt wird. Vertragsbezeichnung und Zahl der Auftraggeber allein entscheiden diese Frage nicht; das tatsächliche Tätigkeitsprofil ist maßgeblich.
Vor dem Start sind steuerliche Erfassung, zuständige Berufsgenossenschaft, Datenschutz, Versicherungen und gegebenenfalls die zulässige Raumnutzung zu klären. Ob daneben eine Gewerbeanmeldung erforderlich ist, hängt von der konkreten Tätigkeit ab; bei einer freiberuflichen Tätigkeit ist sie grundsätzlich nicht erforderlich. Zusätzliche gewerbliche Angebote sind gesondert zu beurteilen.
Leistungen und Geschäftsmodelle
Ein klarer Leistungskatalog verhindert, dass jede Anfrage zu einem Sonderfall wird. Für den Start werden zwei bis vier Kernleistungen ausgewählt und mit Zielgruppe, Preislogik, Zeitbedarf und Ausschlüssen beschrieben.
- Systemische Einzelberatung ohne Heilkunde
- Team- und Konfliktmoderation
- Führungskräfteberatung
- Workshops und Prozessbegleitung
- Paketangebote für klar definierte Veränderungssituationen
Markt und regionale Nachfrage prüfen
Für diese Planung wird kein pauschales Branchenvolumen verwendet. Erhebe konkrete Zielgruppen, Einkaufswege, Budgets und Anfragen bei Unternehmen, sozialen Trägern oder Privatkunden. Zertifikate und Methodenbeschreibungen ersetzen keinen nachgewiesenen Bedarf für ein klar definiertes Beratungsangebot.
| Prüfgröße | Konkrete Erhebung | Entscheidung |
|---|---|---|
| Nachfrage | Suchanfragen, Empfehlungen und reale Anfragen im Einzugsgebiet | Reicht die Zahl passender Kunden für die geplante Menge? |
| Wettbewerb | Zehn bis dreißig direkte Anbieter mit Preisen und Bewertungen | Welche Lücke ist erkennbar? |
| Preis | Veröffentlichte Preise und drei konkrete Vergleichsangebote | Ist der Modellpreis regional erreichbar? |
| Kapazität | Wartezeiten, freie Termine oder Lieferzeiten der Anbieter | Besteht Nachfrage oder nur ein großes Angebot? |
| Partner | Fünf bis zwanzig mögliche Multiplikatoren | Welche Kontakte können regelmäßig Kunden bringen? |
Plane die erforderlichen neuen Fälle aus der Zahl abrechenbarer Termine und der durchschnittlichen Terminzahl je Fall. Eine pauschale Wiederkehrrate von 50 Prozent reicht dafür nicht: Folgebehandlungen, Projektlaufzeiten, Kursgrößen und Ausfälle verändern die Rechnung. Erst gemessene Anfrage- und Abschlusszahlen zeigen, ob das Einzugsgebiet die geplante Auslastung trägt.
Preise und Kapazitätsrechnung
| Szenario | Menge pro Monat | Modellerlös je Einheit ohne abzuführende Umsatzsteuer | Monatsumsatz |
|---|---|---|---|
| Anlauf | 38 | 101 Euro | 3.838 Euro |
| Zielszenario (Modell) | 70 | 110 Euro | 7.700 Euro |
| Ausgelastet | 88 | 116 Euro | 10.208 Euro |
Der Verkaufspreis muss nicht nur die direkte Leistungszeit decken. Hinzu kommen Vor- und Nachbereitung, Ausfallzeiten, nicht abrechenbare Organisation, Marketing, Versicherungen, Software, Fahrzeug oder Raum sowie eine Reserve für Ersatzinvestitionen. Rabatte werden nur angeboten, wenn sie Auslastung oder Prozesskosten messbar verbessern.
Für die Gründungsplanung stehen Zielgruppe, Heilkundeabgrenzung, Pakete, Vertrieb und DRV-Prüfung im Vordergrund. Ein vermeidbares Risiko besteht darin, Methoden anzubieten, ohne Zielgruppe und konkreten Beratungsanlass zu benennen. Vor größeren Investitionen müssen Nachfrage, erlaubter Leistungsumfang und tatsächlicher Zeitbedarf zusammenpassen.

Kapitalbedarf und laufende Kosten
| Kostenblock | Schlanker Start | Ausbau |
|---|---|---|
| Ausstattung und Technik | 2.450 Euro | 8.800 Euro |
| Raum, Fahrzeug oder Lager | 1.400 Euro | 5.500 Euro |
| Website, Vertrieb und Eröffnung | 840 Euro | 2.200 Euro |
| Versicherung, Anmeldung und Reserve | 2.310 Euro | 5.500 Euro |
| Summe | 7.000 Euro | 22.000 Euro |
Das schlanke Modell liegt bei rund 7.000 Euro. Der Ausbau mit größerer Fläche, zusätzlicher Technik, Warenbestand, Fahrzeugen oder Personal kann etwa 22.000 Euro erfordern. Diese Werte sind Planungsrahmen. Vor Finanzierung werden Angebote, Kaution, Anlaufverluste und mindestens drei bis sechs Monate Liquidität einzeln belegt.
Umsatz, Gewinn und privater Mindestbedarf
| Szenario | Monatsumsatz | Betriebskosten | Vereinfachter Überschuss vor privaten Abgaben |
|---|---|---|---|
| Anlauf | 3.838 Euro | 1.148 Euro | 2.690 Euro |
| Zielszenario | 7.700 Euro | 1.400 Euro | 6.300 Euro |
| Ausbau | 10.208 Euro | 2.450 Euro | 7.758 Euro |
Die letzte Tabellenspalte zeigt einen vereinfachten betrieblichen Überschuss, kein verfügbares Nettoeinkommen und keinen abschließend ermittelten steuerlichen Gewinn. Abschreibungen, Finanzierungskosten und bisher nicht erfasste Aufwendungen müssen ergänzt werden. Krankenversicherung, Altersvorsorge, Einkommensteuer und private Lebenshaltung werden daraus getragen. Kreditrückzahlungen sind zusätzlich im Liquiditätsplan zu berücksichtigen.
Kundengewinnung ohne beliebige Werbung
Marketing beginnt mit einem überprüfbaren Angebot: für wen, welches Problem, welches Ergebnis, in welchem Gebiet und zu welchem Preisrahmen. Danach werden wenige Kanäle konsequent genutzt. Entscheidend ist nicht Reichweite, sondern wie viele qualifizierte Anfragen zu bezahlten Aufträgen werden und wie viele Kunden wiederkommen oder empfehlen.
- Google-Unternehmensprofil und lokale Suchbegriffe bei regionalen Leistungen
- Fachliche Qualifikation und transparent erklärter Ablauf; personenbezogene Referenzen nur mit wirksamer Einwilligung
- Kooperationen mit passenden Multiplikatoren
- Klare Angebotsseite mit Preislogik und Ausschlüssen
- Monatliche Messung von Anfragequelle, Abschlussquote, Auftragswert und Wiederkehr
Businessplan und Finanzierung
Der Businessplan übersetzt das Vorhaben in überprüfbare Annahmen. Statt pauschaler Marktbehauptungen zeigt er konkrete Zielkunden, erreichbares Gebiet, Wettbewerber, Auftragsaufbau und Kapazität. Die Finanzplanung wird monatlich aufgebaut, weil eine Jahreszahl die Anlaufphase verdeckt.
- Qualifikation, Zulassungen und Leistungsgrenzen
- Zielgruppe, Einzugsgebiet und Wettbewerber
- Preise, Zeitbedarf und verkaufbare Einheiten
- Investitionen mit Angeboten und Finanzierungsnachweis
- Monatlicher Umsatzaufbau für mindestens zwölf Monate
- Private Kosten, Steuern, Sozialversicherung und Liquiditätsreserve
- Risiken sowie messbare Gegenmaßnahmen
Arbeite deine Annahmen im Businessplan für die Förderung aus. Prüfe deine Zahlen mit dem Stundensatzrechner und dem Break-even-Rechner.
Vertiefe die Kalkulation: Kleinunternehmer-Rechner – Umsatzgrenzen und Besteuerungsmodelle vergleichen; Einkommensteuer-Rechner – eine persönliche Steuerrücklage im Modell abschätzen.
Die Zahlen, die nicht schöngerechnet werden dürfen
Erstens: die verkaufbare Kapazität. Das Modell benötigt 70 Einheiten pro Monat. Zweitens: der Preis von durchschnittlich 110 Euro. Drittens: laufende Betriebskosten von ungefähr 1.400 Euro. Sinkt die Menge um 20 Prozent, fällt der Umsatz entsprechend, während viele Kosten bleiben. Steigt der Preis, muss der Markt diesen Preis akzeptieren und die Leistung ihn begründen.
Prüfe zusätzlich ein Szenario mit 30 Prozent weniger Umsatz: Wie lange reicht die Reserve, welche Kosten laufen weiter und wann werden offene Rechnungen bezahlt? Rechne Urlaub und Krankheit in der Jahreskapazität mit. Eine einzelne gute Arbeitswoche darf nicht auf zwölf Monate hochgerechnet werden.
Ein realistischer Auftragsmix statt einer einzigen Umsatzquelle
Plane Einzelberatung, Teammoderation und Workshops getrennt. Ein Workshop bindet neben der Durchführung Zeit für Vorbereitung, Abstimmung und Nachbereitung. Der kalkulierte Stundenwert muss sich deshalb auf die gesamte Projektkalkulation zurückführen lassen. Wiederkehrende Folgeaufträge werden erst nach konkreten Zusagen angesetzt.
Eine reine Rechenprobe verteilt den Zielumsatz von 7.700,00 Euro auf drei zuvor definierte Leistungsgruppen: 60 Prozent entsprechen 4.620,00 Euro, 25 Prozent 1.925,00 Euro und 15 Prozent 1.155,00 Euro. Diese Aufteilung ist keine Branchenempfehlung. Sie ist nur sinnvoll, wenn jede Gruppe rechtlich zulässig, separat kalkuliert und durch tatsächliche Nachfrage belegt ist; dieselbe Behandlung darf nicht doppelt gezählt werden.
Systemischer Berater: Trägt deine Kalkulation?
Wenn du als systemischer Berater starten möchtest, prüfen wir mit dir Markt, Preis, Kapazität und persönlichen Mindestumsatz, bevor du langfristige Kosten übernimmst.
Wochenplanung mit verkaufbarer und unbezahlter Zeit
Die Monatsmenge von 70 Einheiten wird auf Arbeitswochen und Verkaufstage heruntergebrochen. Bei 4,3 Wochen sind das rund 16 Einheiten pro Woche. Diese Zahl muss praktisch möglich sein: einschließlich Vorbereitung, Fahrt, Reinigung, Dokumentation, Angebotsarbeit, Einkauf, Kommunikation und Ausfällen. Wenn die rechnerische Menge nur mit dauerhaft 55 oder 60 Arbeitsstunden erreichbar ist, stimmt nicht automatisch der persönliche Einsatz – möglicherweise sind Preis, Prozess oder Geschäftsmodell falsch gewählt.
Im Wochenkalender werden deshalb zuerst feste Unternehmerzeiten reserviert: Buchhaltung, Angebote, Nachfassen, Content oder lokale Akquise sowie ein Puffer für Reklamationen und Unvorhergesehenes. Erst die verbleibende Zeit ist Leistungskapazität. Nach vier Wochen werden Plan- und Ist-Zeit verglichen. Wiederkehrende Abweichungen gehören in die Kalkulation; sie dürfen nicht dauerhaft durch unbezahlte Mehrarbeit ausgeglichen werden.
Zahlungsfluss und Liquidität in der Praxis
Gewinn und Kontostand sind nicht dasselbe. Beim Start fließen rund 7.000 Euro in Ausstattung, Anlauf und Reserve, während Umsätze verzögert eingehen können. Anzahlungen, Abschlagszahlungen, Kartenzahlung oder kurze Zahlungsziele müssen zum Geschäftsmodell passen. Bei Geschäftskunden können 30 Tage Zahlungsziel bedeuten, dass Material, Löhne oder Fahrtkosten lange vor dem Zahlungseingang finanziert werden. Bei Warenmodellen bindet zusätzlich der Bestand Liquidität; bei Dienstleistungen sind es vor allem unbezahlte Zeit und offene Forderungen.
Die Liquiditätsplanung erfasst Anfangsbestand, realistische Einzahlungen, Investitionen, laufende Ausgaben, Privatentnahmen und Kreditraten. Umsatzsteuer wird nur dort eingeplant, wo sie tatsächlich anfällt; bei steuerfreien Leistungen kann nicht abziehbare Vorsteuer die Kosten erhöhen. Einkommensteuer, bekannte Jahreskosten und Ersatzinvestitionen benötigen eigene Reserven.
Wann Wachstum sinnvoll ist und wann nicht
Der Ausbau auf rund 22.000 Euro Kapitalbedarf ist erst sinnvoll, wenn das schlanke Modell wiederholt ausgelastet ist. Ein größerer Raum, mehr Technik, ein zusätzliches Fahrzeug oder Personal beseitigen keine unklare Positionierung. Vor jeder Erweiterung wird gerechnet, wie viel zusätzlicher Monatsumsatz die neue Fixkostenstufe benötigt und wie viele zusätzliche Einheiten daraus entstehen. Erst danach wird geprüft, ob Markt, Personal und Organisation diese Menge tragen.
Ein sinnvoller Ausbau erfüllt vier Bedingungen: Die Nachfrage ist über mehrere Monate dokumentiert, bestehende Kunden werden zuverlässig bedient, Prozesse sind beschrieben und die Liquiditätsreserve bleibt nach der Investition ausreichend. Wachstum kann auch bedeuten, Preise zu erhöhen, unprofitable Leistungen zu streichen oder das Einzugsgebiet zu verkleinern. Mehr Umsatz ist nur dann Fortschritt, wenn der Gewinn, die Stabilität oder die persönliche Arbeitsbelastung dadurch besser werden.
Kennzahlen für die ersten zwölf Monate
| Zeitraum | Ziel | Prüffrage |
|---|---|---|
| Monat 1 bis 3 | 38 Einheiten im Monat | Welche Kanäle liefern zahlende Kunden? |
| Monat 4 bis 6 | 52 Einheiten im Monat | Stimmen Preis und tatsächlicher Zeitbedarf? |
| Monat 7 bis 9 | 63 Einheiten im Monat | Wie hoch sind Wiederkehr und Empfehlung? |
| Monat 10 bis 12 | 70 Einheiten und 7.700 Euro Umsatz | Trägt der Betrieb private Ziele und Reserven? |
Gründung aus Arbeitslosigkeit
Ein AVGS kann ein zugelassenes Gründungscoaching finanzieren, wenn Agentur für Arbeit oder Jobcenter den Gutschein vor Beginn bewilligen. Das Coaching kann Geschäftsmodell, Markt, Kalkulation, Businessplan und Finanzierung abdecken; es bezahlt keine Investitionen. Für den Gründungszuschuss müssen bei Aufnahme der hauptberuflichen Selbstständigkeit grundsätzlich noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Eine fachkundige Stellungnahme und ein tragfähiger Businessplan gehören regelmäßig zu den Unterlagen. Die Förderung ist eine Ermessensleistung.
Je nach Ausgangslage helfen die Leitfäden zu Gründungszuschuss, Einstiegsgeld, AVGS-Coaching und fachkundiger Stellungnahme. Für betriebliche Investitionen kann je nach Voraussetzungen ein Mikrokredit infrage kommen; ein Kredit ist zurückzuzahlen.
Häufige Fehler
- Eine breite Methodenbeschreibung anbieten, ohne kaufbare Zielgruppe und Anlass zu benennen
- Bundesweite Marktzahlen mit dem eigenen erreichbaren Markt verwechseln
- Alle Arbeitsstunden als abrechenbar einplanen
- Private Kosten und Steuerreserve nicht vollständig berücksichtigen
- Große Räume, Personal oder Technik zu früh finanzieren
- Leistungen ohne klare Ausschlüsse und Nachträge anbieten
- Marketing an Reichweite statt an qualifizierten Aufträgen messen
Ein realistischer 90-Tage-Plan
Tag 1–30
Angebot und Voraussetzungen
- Zielgruppe und konkreten Beratungsanlass wählen
- Beratung von Heilkunde abgrenzen
- Rentenversicherungspflicht für das Tätigkeitsprofil klären
Ergebnis: Dokumentierte Voraussetzungen, abgegrenztes Leistungsangebot und geprüftes Einsatzgebiet.
Tag 31–60
Kalkulation und Finanzierung
- Zwei Beratungsangebote mit Honorar kalkulieren
- Verträge und Datenschutz vorbereiten
- Mit zehn passenden Auftraggebern Bedarfsgespräche führen
Ergebnis: Konkrete Angebote, nachvollziehbare Vergütung und ein Liquiditätsplan für zwölf Monate.
Tag 61–90
Abläufe prüfen und Start vorbereiten
- Erste klar begrenzte Beratungsaufträge durchführen
- Vorbereitung, Beratung und Akquisezeiten messen
- Angebote anhand von Nachfrage und Deckungsbeitrag anpassen
Ergebnis: Ein dokumentierter Praxistest mit gemessenen Gesamtzeiten und einer Entscheidung zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit.
Fazit
Die Selbstständigkeit als systemischer Berater kann ein gutes Einkommen ermöglichen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen stimmen und Preis, Kapazität sowie Nachfrage gemeinsam gerechnet werden. Ein schlanker Start reduziert das Risiko. Entscheidend ist nicht der größtmögliche Umsatz, sondern ein Betrieb, der den persönlichen Mindestbedarf, Steuern, Vorsorge und Rücklagen zuverlässig tragen kann.
Dein nächster sinnvoller Schritt: Lass vor größeren Ausgaben prüfen, wie viele Kunden oder Aufträge du wirklich brauchst und ob dein erreichbarer Markt diese Menge tragen kann.
Deine Gründung konkret planen
Wir besprechen Geschäftsmodell, Kapitalbedarf und passende Fördermöglichkeiten für deine persönliche Ausgangslage.
Weitere Orientierung: Alle Gründungsberufe und Gründen als Unternehmensberater.
Quellen und Einordnung
Stand: 7. Oktober 2026. Preis-, Kosten-, Kapazitäts- und Umsatzbeispiele sind Planungsannahmen, keine amtlichen Durchschnittswerte oder Erfolgszusagen. Rechtliche Voraussetzungen und Fördermöglichkeiten sind vor dem Start für den konkreten Betrieb zu klären.
- Heilpraktikergesetz – Erlaubnispflicht (§ 1)
- SGB VI – Versicherungspflicht selbstständig Tätiger (§ 2)
- Bundesagentur für Arbeit – Gründungszuschuss beantragen
- Bundesagentur für Arbeit – Förderung von Maßnahmen und Gründungscoaching
- Umsatzsteuergesetz – Steuerbefreiungen (§ 4)
- Bundesagentur für Arbeit: Gründungszuschuss
- Bundesagentur für Arbeit: AVGS
- § 16b SGB II: Einstiegsgeld
Häufige Fragen: Systemischer Berater
Im schlanken Modell rund 7.000 Euro. Der tatsächliche Betrag ergibt sich aus Angeboten, Kaution, Ausstattung und Liquiditätsreserve. Vertiefe die Zahlen im Businessplan für die Förderung.
Die beispielhafte Modellrechnung arbeitet mit 7.700 Euro Monatsumsatz. Dein Wert hängt von privaten Zielen und tatsächlichen Kosten ab.
Die Nachfrage wird anhand realer Anfragen, örtlicher Anbieter, Wartezeiten und erreichbarer Fälle geprüft. Die Zahlen der Kalkulation sind Planungsannahmen und keine amtlichen Branchendurchschnitte.
Ja, wenn Arbeitsvertrag, Zeit, Versicherungen und rechtliche Voraussetzungen passen. Ein Test kann Nachfrage und Zeitbedarf sichtbar machen.
Wenn der Raum für Leistung, Vertrauen oder Kapazität notwendig ist und seine Vollkosten durch belastbare Aufträge getragen werden.
Erst wenn zusätzliche Nachfrage, Prozesse, Führung und vollständige Arbeitgeberkosten über mehrere Monate plausibel sind.
Aus Zielgewinn, Betriebskosten und verkaufbarer Menge. Im Modell sind es 110 Euro je abrechenbarer Beratungsstunde. Die Planung unterstützt der Stundensatzrechner.
Mindestens Berufs- oder Betriebshaftpflicht ist zu prüfen. Je nach Modell kommen Vermögensschaden, Inhalt, Fahrzeug, Cyber und Rechtsschutz hinzu.
Das hängt von Umsatz, Investitionen und Kundengruppe ab. Sie ist eine Umsatzsteuerregel und keine Steuerbefreiung des Gewinns. Vergleiche die Modelle mit dem Kleinunternehmer-Rechner.
Ja, wenn ein AVGS vor Beginn bewilligt wird und Maßnahme sowie Träger zugelassen sind. Einen Rechtsanspruch auf Bewilligung gibt es nicht. Mehr zu AVGS und Gründungszuschuss.
Bei planbarem Dienstleistungsstart häufig mindestens drei Monate, bei Zulassung, Personal, Warenlager oder Saison eher sechs bis zwölf Monate. Prüfe Zahlungseingänge und Kosten mit dem Liquiditätsrechner.
Wir prüfen zuerst Zielgruppe, Heilkundeabgrenzung, Pakete, Vertrieb und DRV-Prüfung, danach Markt, Preis, Kapazität, private Verpflichtungen und Finanzierung.
Nein. Es handelt sich um Modellwerte, mit denen Annahmen sichtbar und veränderbar gemacht werden.
Wenn nach gemessener Gesamtzeit, direkten Kosten und Ausfällen kein ausreichender Stunden- beziehungsweise Stückdeckungsbeitrag bleibt. Die Planung unterstützt der Stundensatzrechner.

